Der Öl-Krieg eskaliert, und wir kriegen die Quittung: Knallt Diesel jetzt auf 3 Euro hoch? Gestern sprang Diesel in 20 Minuten von 2,40 auf 2,59 Euro.
Heute könnte der nächste Preisschub folgen
Berlin – Tanken wird immer mehr zum Luxus: Noch Anfang August kosteten 50 Liter Diesel rund 108 Euro, am Wochenende waren es bis zu 120 Euro. Jetzt droht der nächste Preisschub.
Denn: Die Lage im Nahen Osten spitzt sich zu. Neue Angriffe treffen wichtige Routen für saudisches Öl.
Wird weniger Öl sicher transportiert, steigt meist der Preis – auch an der Tankstelle. Heißt: Auch die Quittung für die neuen Angriffe der Huthi-Terroristen im Jemen landet bei uns.
Seit Freitagabend ruhte der Ölhandel. Die für Europa wichtige Nordsee-Ölsorte Brent schloss am Freitag bei rund 105 Dollar je Barrel.
Die Eskalation vom Wochenende steckt deshalb noch nicht im Preis. Erst in diesen Stunden zeichnet sich ab, wie nervös der Rohölmarkt reagiert.
Drohen 150 Euro für eine Tankfüllung? ING-Chefvolkswirt Carsten Brzeski schließt selbst 3 Euro je Liter Diesel nicht mehr aus.
Bleibe Öl längere Zeit über 110 Dollar je Barrel, komme die Marke „leider gefährlich nahe“. Bei Benzin wären dann rund 2,50 Euro je Liter fällig.
Das wären bei 50 Litern 125 Euro für Benzin und 150 Euro für Diesel. Zum Vergleich: Beim bisherigen bundesweiten Diesel-Tagesrekord von 2,45 Euro je Liter im April kosteten 50 Liter gut 122 Euro.
Das 3-Euro-Szenario wäre fast 28 Euro teurer. Yusuf Atalay (40), Influencer aus Wedding: „Ich habe hier nur getankt, weil ich in der Nähe war.
Die Tankpreise sind fast überall gleich astronomisch – frage mich, wer das bezahlen soll. Mein SUV vollzutanken kostet 250 €.
Ich kann nur hoffen, dass die Preise wieder sinken, aber ich denke nicht.“
Diesel steht besonders unter Druck: Deutschland ist stärker auf Importe angewiesen als bei Benzin, zugleich ist fertiger Diesel auf dem Weltmarkt knapp. Die Krise trifft aber auch Benziner: Super E10 kostete am Samstag bundesweit rund 2,27 Euro je Liter.
Tim Verweel (30), arbeitet in der IT: „Ich habe bewusst vor 12 Uhr getankt, weil die Preise extrem steigen. Meine Freundin und ich versuchen, bewusster zu fahren.
Ich fahre öfter mit dem Motorrad, um Sprit zu sparen. Wenn ich das Jahr Revue passieren lasse, merke ich schon deutlich, dass ich viel mehr Kosten habe als im Vorjahr.“
Mit den Preisen wächst der politische Druck.
Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (64, SPD) fordert einen Spritpreisdeckel: Der Staat soll einen Höchstpreis festlegen, den Tankstellen nicht überschreiten dürfen. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (53, CDU) lehnt das ab.
Brzeski verweist auf einen anderen Hebel: Der Staat könne den Preisanstieg mit Steuersenkungen dämpfen. Damit würden auch die immensen Preisunterschiede zu Nachbarländern, etwa Polen, sinken.
Ärgerlich für Autofahrer: Steigt der Ölpreis, schießen die Spritpreise oft schnell nach oben – wie eine Rakete. Fällt Öl wieder, sinken Benzin und Diesel meist langsamer – wie eine Feder.
Der ADAC nennt das „Rakete-Feder-Prinzip“. Sparen lässt sich durch den richtigen Tankzeitpunkt: Der ADAC rät, kurz vor 12 Uhr zu tanken und Preise zu vergleichen.
Beim Diesel betrug der Tagesunterschied zuletzt 18,4 Cent – bei 50 Litern sind das 9,20 Euro. Haben Sie eine Meinung zu diesem Artikel?
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