Die geplante Gesundheitsreform der Bundesregierung sorgt für deutliche Kritik unter Kinderärzten in Deutschland. Sie warnen, dass die neue Regelung, bekannt als Beitragssatzstabilisierungsgesetz, zu Einschnitten bei Vorsorgeuntersuchungen für Kinder führen könnte.
Das Gesetz sieht vor, dass Praxen für Kinder eine Obergrenze erhalten: Behandelt ein Arzt mehr Patienten als im Vorjahr, sinkt die Vergütung für zusätzliche Fälle. Der genaue Abzug ist noch unklar, doch viele Mediziner befürchten finanzielle Einbußen, auch bei essentiellen Leistungen wie Impfungen und Vorsorge.
Vorsorgeuntersuchungen machen rund 40 Prozent der Arbeit in Kinderarztpraxen aus. Das Gesetz sieht vor, dass diese ab 2027 aus einem limitierten Honorarbudget bezahlt werden.
Ist das Budget erschöpft, könnten Termine verschoben werden, was zu Engpässen führt. Der Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) weist zudem darauf hin, dass sich privat zahlende Familien unter Umständen schneller einen Termin sichern können, da Kinderärzte bei Kassenpatienten finanziell eingeschränkt sind.
Ein weiteres Streitthema ist die Aussage, Ärzte seien „Nutznießer“ des Systems, was von vielen Medizinern als respektlos empfunden wird. Tatsächlich arbeiten Kinderärzte in einem stark regulierten und finanziell begrenzten Rahmen und bringen oft zusätzliche Leistungen ohne Bezahlung ein.
Aktuell gibt es bundesweit etwa 17.650 praktizierende Kinderärzte, von denen viele in den kommenden Jahren in den Ruhestand gehen werden. Besonders auf dem Land ist der ärztliche Nachwuchs knapp.
Familienministerin Karin Prien betont, dass Reformen notwendig seien, warnt jedoch vor deren konsequenter Ablehnung mit scharfer Rhetorik. Die Debatte verdeutlicht die Herausforderung, die Versorgung von Kindern in einem nachhaltigen und finanziell tragfähigen System sicherzustellen.
