Vor dem Schauspiel lernte er Installateur: „Was du für einen Beruf hast, ist völlig wurscht“ Filmstar Heiner Lauterbach will mit „Meet Your Master“ Jugendlichen zeigen, wie sie den richtigen Job für sich finden BILD traf Heiner Lauterbach (73) auf der Dachterrasse des Hotels Bayerischer Hof in München zum Interview. Mit seiner Frau Viktoria möchte der Filmstar jungen Leuten bei der Berufsorientierung helfen München – Gussrohre statt Glamour!
Bevor Heiner Lauterbach (73) Schauspielstar wurde, schuftete er als Installateur. Noch heute bleibt er an Baustellen stehen und schaut den Handwerkern bei der Arbeit zu.
Jetzt will er Jugendlichen bei der Berufswahl helfen. Mit „Meet Your Master Next Generation“ startet er ein neues Angebot zur Berufsorientierung.
In kurzen Filmen sollen Jobs und Menschen vorgestellt werden, die diese mit Leidenschaft ausüben. BILD traf den Filmstar in München zum Interview.
BILD: Herr Lauterbach, warum ist Ihnen das Thema Berufswahl so wichtig? Heiner Lauterbach: „Wenn du den ganzen Tag mit unnützem Zeug füllst, lange pennst, schlechte Sachen isst, eine Serie im Streamer guckst und dann auf dem Handy rumdaddelst, bis du abends müde ins Bett gehst – wenn du das permanent machst, wirst du nicht glücklich.
Du wirst sicher unglücklich. Das habe ich auch in meinem eigenen Leben festgestellt.
Ich wollte mich mal nur aufs Golfspielen konzentrieren und dachte: ‚Super, das mache ich jetzt.‘ Und dann habe ich festgestellt, dass ich fast depressiv geworden bin. Jugendlichen eine Perspektive zu bieten und sie dabei zu unterstützen, ihren Weg zu finden und zu gehen, ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.
Wir sollten hier alle mehr Verantwortung übernehmen.“
Sie selbst haben zunächst Installateur gelernt. Heiner Lauterbach: „Ja.
Das habe ich gemacht, weil mein Vater so einen Betrieb hatte. Und weniger, weil ich so fasziniert von den Rohren war.“
Azubi Lauterbach mit 18 Jahren auf einem Gabelstapler vorm elterlichen Betrieb
Hat Ihnen diese Ausbildung etwas gebracht?
Heiner Lauterbach: „Unbedingt. Zum einen ist es wichtig, auch mal etwas durchzuziehen und zu Ende zu bringen.
Zum anderen muss man Erfahrungen sammeln, um herauszufinden, was einem Spaß macht und was nicht. Ich habe drei Jahre wirklich auch im Winter im Rohbau gearbeitet, eiskalt, Vier-Zoll-Gussrohre in den 10.
Stock getragen. Manchmal bleibe ich heute sogar an kleinen Baustellen stehen, schaue zu, wie die da hantieren, und denke an die Zeit früher.
Aber ich finde, solche Erfahrungen sind hilfreich im Leben. Für mich stand danach fest, dass das nicht mein Weg ist und ich stattdessen meiner Leidenschaft aus der Schulzeit nachgehen möchte: dem Schauspiel.“
Hand aufs Herz: Können Sie noch etwas reparieren?
Heiner Lauterbach: „Nein, ich habe keine Zange mehr angefasst. Ich bin auch nicht der Handwerker.
Das war ich nie.“
Ist es heute klüger, ein Handwerker zu werden als ein BWL-Absolvent? Heiner Lauterbach: „BWL-Studenten, die Arbeit suchen, kenne ich viele.
Ich weiß nur, dass wir auf einen Elektriker oder Installateur bei uns am Starnberger See bis zu acht Wochen warten. Und wir sind schon privilegiert, weil wir die alle so lange kennen.“
Manche Berufe sind allerdings auch hart und nicht gut bezahlt.
Heiner Lauterbach: „Unbedingt. Wir geben für so viel Scheiße Geld aus.
Pfleger, Krankenschwestern, Polizisten, Feuerwehrleute, Notärzte – die arbeiten für einen Appel und ein Ei, dafür, was die für eine Verantwortung haben. Die müssen wir einfach besser bezahlen.
Dafür müssen wir Steuern ausgeben.“
Und wenn Ihr Sohn, der studiert, Busfahrer oder Maurer hätte werden wollen? Heiner Lauterbach: „Wenn der Vito gekommen wäre und gesagt hätte: ‚Ich werde Busfahrer oder Maurer‘, hätte ich erst mal gesagt: ‚Wie kommst du denn darauf?‘ Aber dann: ‚Klasse, mach das, mach das!
Wenn das dein Ding ist, dann hau rein.‘
Was du für ein Mensch bist, ist entscheidend. Was du letztendlich für einen Beruf hast, ist völlig wurscht.“
Auch als Promi merkt Lauterbach den Handwerker-Mangel.
„Ich weiß nur, dass wir auf einen Elektriker oder Installateur bei uns am Starnberger See bis zu acht Wochen warten.“
Was ist Ihnen eigentlich häufiger begegnet: ein cholerischer Meister oder ein cholerischer Regisseur? Heiner Lauterbach: „Was ziemlich gleich war, war der Alkoholkonsum.
Am Bau wurde ziemlich viel gesoffen. Und in der Filmbranche auch.
Ich glaube, das hat sich in beiden Bereichen verändert und ist weniger geworden. Im Film in jedem Fall.
Es gab schon ziemliche Idioten unter den Polieren. Aber mehr Bekloppte gibt es vermutlich beim Film.“
Wenn Sie heute noch mal jung wären: Welchen Beruf würden Sie wählen?
Schauspieler gilt nicht. Heiner Lauterbach: „Ich interessiere mich ziemlich für Physik.
Wenn Schauspiel nicht ginge, würde ich versuchen, das Abitur zu machen und Physik zu studieren.“
Heiner Lauterbach: „Ja. Hochgradig spannend.
Wenn ein Physiklehrer damals in unsere Klasse gekommen wäre und gesagt hätte: „Wer wissen will, ob Zeitreisen eines Tages wirklich möglich sind, der sollte hier bleiben. Die anderen können in die Pause gehen.“ Ich glaube, da wäre keiner aufgestanden.
Wenn das einer zu mir gesagt hätte, hätte ich plötzlich gedacht: „Oh, das ist Physik!“ Physik waren für mich diese V-Dinger da mit den Formeln. Grausig, grausig, grausig.
Es ist schon sehr wichtig, wie du an etwas herangeführt wirst.“
Fehlt Jugendlichen genau dieser Blick hinter die Kulissen eines Berufs? Heiner Lauterbach: „Ja.
Ich bin sicher, dass es ganz oft passieren wird, wenn junge Leute unsere Filme sehen, dass sie sagen: ‚Ach, so ist es da, das machen die. Verstehe.
Das schaue ich mir mal an.‘ Wenn du etwas nur abstrakt kennst und dann plötzlich siehst, was dahintersteckt, denkst du: ‚Ach so, das passiert da alles. Gar nicht gewusst.‘“
Was raten Sie einem 16-Jährigen, der nicht weiß, was er werden will?
Heiner Lauterbach: „Such dir etwas, was dich mit Leidenschaft füllt. Das ist erst mal das A und O.
Es muss ja nicht Astronaut sein oder Popstar. Du musst etwas finden, das du gerne machst.
Und dann stehst du morgens gerne auf, weil du sagst: ‚Ach geil, heute mache ich das und das.‘“
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