Anklage gegen Ilona W.: Russland-Spionin saß direkt hinter Merz und Selenskyj Die mutmaßliche Spionin Ilona W. wird von Justizbeamten zu einem Arzttermin begleitet Berlin – Die Affäre um die mutmaßliche Russland-Spionin Ilona W.
erreicht ihren vorläufigen Höhepunkt: Die Bundesanwaltschaft hat Anklage gegen die deutsch-ukrainische PR-Frau erhoben. Verhandelt werden soll wegen „geheimdienstlicher Agententätigkeit“ für Russland vor dem Kammergericht in Berlin.
Der Fall hatte bereits im Januar bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Damals klickten in Berlin die Handschellen.
Ermittler werfen Ilona W. vor, für den russischen Militärgeheimdienst GRU Informationen gesammelt und Kontakte in Politik, Wirtschaft und Sicherheitskreise aufgebaut zu haben.
Der Geheimdienst soll auch hinter dem gescheiterten Drohnenanschlag von Leipzig stecken. Ilona W.
bewegte sich offenbar erstaunlich nah an den Machtzentren Deutschlands. Beim Deutsch-Ukrainischen Forum im Dezember gelang es ihr, nur wenige Meter hinter Bundeskanzler Friedrich Merz (70, CDU) und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj (48) zu gelangen.
Während die Regierungschefs in der ersten Reihe saßen, nahm Ilona W. direkt dahinter Platz und fertigte Aufnahmen an.
Die deutsche Spionageabwehr hatte sie damals wohl schon längst im Visier. Nach den Ermittlungen der Bundesanwaltschaft soll Ilona W.
spätestens seit Oktober 2023 für einen Mitarbeiter eines russischen Geheimdienstes an der Botschaft in Berlin tätig gewesen sein. Demnach informierte sie ihren Kontaktmann über hochrangige Veranstaltungen und verschaffte ihm teilweise sogar unter falscher Identität Zugang zu wichtigen Terminen, damit dieser ein eigenes Netzwerk in Politik und Gesellschaft aufbauen konnte.
Zudem soll sie gezielt Personen aus dem Verteidigungsministerium und der Rüstungsindustrie angesprochen sowie Informationen zur deutschen Verteidigungs- und Rüstungspolitik im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg beschafft haben. Seit ihrer Verhaftung darf Ilona W.
nur noch in Handschellen aus ihrer Zelle
Über Jahre knüpfte W. Kontakte in die Berliner Politik.
Nach BILD-Informationen verfügte Ilona W. über einen Bundestagsausweis und war Gast bei Veranstaltungen von Ministerien, Botschaften und politischen Organisationen.
Fotos zeigen sie unter anderem auf dem Dach des Auswärtigen Amtes und bei hochrangigen Empfängen. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Bundesvereinigung Binationaler Gesellschaften (BBG), deren Vorsitzende Ilona W.
war. Offiziell setzt sich der Verein für internationalen Austausch und Völkerverständigung ein.
Laut Terrorismus- und Sicherheitsexperte Peter Neumann vom King's College London ist das aber ein Vorwand: „Das ist ein für Spionageaktivitäten perfektes Cover.“ Der Verein klinge harmlos, verschaffe aber gleichzeitig Zugang zu Entscheidungsträgern. Nun muss sich Ilona W.
vor Gericht verantworten. Sollte das Kammergericht die Vorwürfe bestätigen, drohen der mutmaßlichen GRU-Agentin bis zu zehn Jahre Haft.
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