Zahlen sind „offenkundig unrealistisch“: So trickste sich Putin zum Wahl-Sieg in Russland Grotesk: Tschetschenen-Chef Kadyrow sichert sich fast 100 Prozent Kreml-Herrscher Wladimir Putin (73) bei der Online-Stimmabgabe Moskau – Die Partei von Kreml-Herrscher Wladimir Putin hat die russischen Parlamentswahlen erwartungsgemäß für sich entschieden. Nach Angaben der Wahlkommission erreichte die ​Partei „Geeintes Russland“ 57,83 Prozent der Stimmen und damit noch einmal mehr als 2021 (49,8 Prozent) – vor der russischen Invasion in der Ukraine.

Mit dem Ergebnis sichert sich die Regierungspartei 355 der 450 Sitze in der Staatsduma. Doch von einem fairen demokratischen Wettbewerb kann nach Ansicht internationaler Beobachter keine Rede sein.

Sie beschreiben ein Klima der Angst und Repression rund um die dreitägige Abstimmung. Oppositionsparteien wurden genau wie unabhängige Kandidaten von den Wahlen ferngehalten.

Die liberale Partei Jabloko, die einzige Anti-Kriegs-Partei, durfte nur in einer einzigen von acht Regionen überhaupt antreten – und kam nur ins Regionalparlament. Die Zahlen zeigen: Putin hat das politische System so umgebaut, dass ernsthafte Konkurrenz kaum noch existiert.

Stanislaw Andrejtschuk, der frühere Chef der unabhängigen Wahlbeobachter-Gruppe Golos, berichtet von einer deutlich härteren Atmosphäre als bei früheren Abstimmungen. Die offiziellen Zahlen seien „offenkundig unrealistisch“, sagte er dem russischsprachigen Sender Doschd.

Wahlhelferinnen leeren die gläsernen Urnen, an der Wand ein Portrait von Präsident Putin

Besonders grotesk wirkt das Ergebnis in Tschetschenien, wo Putins Statthalter Ramsan Kadyrow (49) im Wahlkampf gegen Andersdenkende vorging und laut dem unabhängigen russischsprachigen Sender Radio Svoboda Festnahmen veranlasste. Der Kreml-Getreue wurde den Angaben zufolge mit 99,85 Prozent der Stimmen als Regionalchef bestätigt.

Ein Ergebnis, wie man es nur aus autoritären Staaten kennt – und nahe am wenig schmeichelhaften Weltrekord für das eindeutigste Wahlergebnis. Putins Freund und Tschetscheniens Diktator Ramsan Kadyrow (49)

2002 ließ sich der damalige irakische Diktator Saddam Hussein mit 100 Prozent der Stimmen bestätigen, bei angeblich 100 Prozent Wahlbeteiligung.

Auf dasselbe Ergebnis kam 2014 Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un. Bürgerin: „Ich vertraue den Wahlen nicht“

Das unabhängige russische Exil-Medium „Novaya Gazeta Europe“ berichtet von Repressionen bei der Stimmabgabe – und zitiert frustrierte und enttäuschte Wähler.

„Die Wahlergebnisse sind natürlich schrecklich. Ich hatte erwartet, dass sie Zahlen erfinden würden, aber dass es so extrem wird …“, erklärte Garri aus Kaliningrad.

Maria aus Tschita sagte: „Ich vertraue den Wahlen nicht. Ich denke, es gab doppelte Stimmzettel oder die Ergebnisse wurden einfach erfunden.“

Andrejtschuk erklärte, laut statistischen Analysen liege die tatsächliche Wahlbeteiligung bei rund 40 Prozent.

Die Wahlkommission hatte sie mit mehr als 56 Prozent angegeben. Haben Sie eine Meinung zu diesem Artikel?

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