Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender der Axel Springer SE, hat sich gegen Koalitionen mit der AfD ausgesprochen und gleichzeitig Kritik an der politischen Brandmauer geübt. Er bezeichnet das Prinzip der Brandmauer als problematisch, weil es viele Wähler beleidige und Märtyrerlegenden schaffe.
Döpfner plädiert stattdessen dafür, klare rote Linien und eigene Werte zu definieren. Seiner Ansicht nach sollte die Ablehnung von Regierungsbeteiligungen nicht nur die AfD betreffen, sondern gleichermaßen auch die Linkspartei.
Zur politischen Lage erklärte Döpfner, dass die Stärke der politischen Ränder auch eine Folge der Schwäche des politischen Zentrums sei. Um ein weiteres Abdriften zu verhindern, sei es entscheidend, die Kompetenz, Glaubwürdigkeit und den Erfolg der Mitte zu stärken.
Er hält es zudem für falsch, zu viele Regierungsoptionen auszuschließen, insbesondere Minderheitsregierungen, die für einzelne Vorhaben parteiübergreifend Unterstützung gewinnen könnten. In Bezug auf ein mögliches Verbotsverfahren gegen die AfD betonte Döpfner, dass ein Verbot nur dann in Betracht gezogen werden könne, wenn die Verfassungsfeindlichkeit der Partei nach rechtsstaatlichen Kriterien klar nachgewiesen werde.
Eine ständige Drohung mit einem Verbot bezeichnete er als schädlich. Döpfner übte auch Kritik an der Medienlandschaft.
Er bemängelte, dass sich der Journalismus zunehmend von den Leserinnen und Lesern entfernt habe und oft zu berechenbar und belehrend wirke. Besonders im Osten Deutschlands gäbe es eine sensible Haltung gegenüber den Medien aufgrund früherer Erfahrungen mit staatsnaher Berichterstattung.
Er forderte eine selbstkritische Debatte in der Medienbranche anstatt das Publikum zu beschimpfen. Themen wie Künstliche Intelligenz (KI) sieht Döpfner als Chance für den Journalismus.
KI könne vor allem bei der Verarbeitung bekannter Informationen unterstützen, während Recherche und neue Ideen zunehmend an Bedeutung gewinnen. Die Verantwortung für Inhalte müsse jedoch weiterhin beim Menschen bleiben.
Reine KI-Erzeugnisse sollten klar gekennzeichnet werden. Abschließend erklärte Döpfner, dass Axel Springer mit der Übernahme des US-Mediums „Telegraph“ das politische Zentrum ansprechen wolle, das auf beiden Seiten der Demokraten und Republikaner angesiedelt sei.
Er kündigte zudem an, den US-Milliardär Peter Thiel mit dem Axel Springer Award zu ehren.
