In der Gemeinde Raguhn-Jeßnitz im Süden Sachsen-Anhalts wurde Hannes Loth 2023 als erster AfD-Bürgermeister mit 51 Prozent der Stimmen gewählt. Sein Sieg war damals bundesweit umstritten und führte zu Warnungen vor einer politischen Verschiebung.

Inzwischen gilt Loth als pragmatischer Verwaltungschef, der trotz parteipolitischer Differenzen eng mit der CDU zusammenarbeitet. So lobt beispielsweise der Vorsitzende der CDU-Fraktion, Tilo Hörtzsch, die Zusammenarbeit als „sehr gut“.

In der täglichen Kommunalpolitik dominierten Themen wie Schädlingsbekämpfung, Straßeninstandhaltung und Abwasser – Aufgabenbereiche, die keine tiefgreifenden politischen Gräben erzeugten. Aktuell sorgt der Befall durch Eichenprozessionsspinner dafür, dass das Stadtfest abgesagt werden musste, da bereits 30.000 Euro für Gegenmaßnahmen ausgegeben wurden.

Auf Landesebene ist die Situation eine andere: Bei der bevorstehenden Landtagswahl liegt die AfD in Sachsen-Anhalt deutlich vor der CDU und könnte erstmals die Regierung stellen. Während AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund auf eine schnelle Einarbeitung in Regierungsaufgaben setzt, warnen Politiker wie Kanzler Friedrich Merz vor möglichen Schäden.

Die AfD hat bisher kaum Erfahrung in Regierungsverantwortung, abgesehen von kleineren Kommunen wie Raguhn-Jeßnitz. Die kommenden Monate dürften daher für die Partei eine neue Herausforderung darstellen.