Elversberg-Trainer im Interview vorm Bayern-Kracher: „Meine Frau hasst meine langen Haare“ Vincent Wagner (40) ist seit 2025 Trainer in Elversberg und führte den Klub sensationell in die Bundesliga. Mit Wunderdorf Elversberg will Vincent Wagner (40) am Sonntag die Bayern (17.30 Uhr, live bei DAZN und hier im BILD-Liveticker) ärgern.
Im Interview verrät der Trainer des Sensations-Aufsteigers, warum er immer etwas Grünes bei sich hat, dass er zum Abschalten nach Paris fährt und dass er BVB-Fan ist. BILD: Das DFB-Sportgericht hat Ihre Gelb-Rot-Sperre aufgehoben.
Wie glücklich sind Sie, dass Sie gegen die Bayern an der Seitenlinie stehen dürfen? VINCENT WAGNER (40): Ich bin froh, dass ich bei meiner Mannschaft sein kann und wir diese große Herausforderung gemeinsam angehen können.
Ein Dank an die Ehrlichkeit von Schiedsrichter Martin Petersen. Fehler passieren, ich mache auch mehr als genug.
Durch seine totale Transparenz hat das Sportgericht entschieden, dass es ein klarer Wahrnehmungsfehler war. Nur deshalb konnte die Sperre zurückgenommen werden.
Elversberg ist Vierter, die Bayern sind Fünfter. Wie fühlt man sich als Favorit gegen den Rekordmeister?
Favorit sind wir ganz sicher nicht! Ich bin mir sicher, die Bayern werden uns sehr ernst nehmen.
Es ist verrückt, dass sie unseren Namen überhaupt kennen. Der Kader-Marktwert der Bayern ist 18-mal so hoch wie der Ihrer Mannschaft.
Werden Sie vorm eigenen Tor den Bus parken? Nur 18-mal?
Ich dachte, er wäre sogar noch höher. Wir werden versuchen, in den richtigen Momenten umzuschalten und auch ein wenig den Ball zu haben.
Den klassischen Bus vorm Tor zu parken, ist nicht unser Stil. Wir wollen aber auch nicht mit wehenden Fahnen untergehen.
Es wird auf jeden Fall ein brutales Lernspiel für uns. Gespräch vor dem Top-Spiel: Wagner (M.) mit den BILD-Reportern Julian Agardi (l.) und Niklas Niendorf
Ihr Schwager ist Bayern-Fan.
Wem drückt er die Daumen? Immer dem großen FC Bayern!
Aber er ist wahrscheinlich auch nicht traurig, wenn ein Wunder passiert und wir vielleicht einen Punkt holen. Er wird es in jedem Fall überleben, wenn die großen Bayern uns nicht zweistellig vom Platz fegen.
Wenn Geld und Verträge keine Rolle spielen würden: Welchen Bayern-Star hätten Sie gerne in Ihrem Team? Wir sind sehr zufrieden mit unseren Spielern.
Aber bei den Bayern kann man würfeln! Wir fangen bei einem sensationellen Torhüter an, über eine Innenverteidigung, die wahnsinnig schnell ist, bis zu einem Mittelstürmer, der seinesgleichen sucht.
Aber ich liebe einfach Flügelraketen wie Davies, Coman, Gnabry oder jetzt Olise. Wenn da auf den Außenbahnen die Post abgeht, macht mir das richtig Spaß.
Dann dürften Sie Fan von „Robbery“, bestehend aus Franck Ribéry und Arjen Robben, gewesen sein ... Absolut!
Mein Lieblingszitat ist immer noch das von Jürgen Klopp: „Als Robben und Ribéry angefangen haben, mit nach hinten zu arbeiten, hatten wir verloren.“ Das hat sich bei mir sehr eingeprägt und das gebe ich auch an meine Flügelspieler weiter: Die Defensivarbeit gehört genauso dazu. Kennen Sie Ihren Namensvetter auf der Bayern-Bank schon persönlich?
Nein, bisher nicht. Aber ich freue mich sehr darauf, Vincent Kompany kennenzulernen.
Er macht einen sehr netten und reflektierten Eindruck – nicht nur als Trainer, sondern auch als Mensch. Ich versuche, ganzheitlich Fußball spielen zu lassen.
Die Intensität und Leidenschaft von Klopp, gepaart mit dem taktischen Verständnis und der Akribie von Pep Guardiola – da gibt es viele, zu denen man aufschauen kann. Gibt es ein Stadion, in dem Sie gerne mal an der Seitenlinie stehen würden?
Ich war mal als Zuschauer beim Aufstiegsfinale in Wembley. Das war sehr beeindruckend.
Ansonsten nehme ich die tollen Bundesliga- und Zweitliga-Stadien sehr gerne mit. Die alte Hafenstraße in Essen hat bei Flutlicht am Freitagabend gebrannt, aber auch Stadien wie in Bochum oder auf Schalke sind fantastisch.
Und haben Sie einen Traumverein, den Sie gerne mal trainieren würden? Jetzt muss ich aufpassen, was ich sage.
(lacht) Seit der Saison 1995/1996 bin ich Fan von Borussia Dortmund. Aber im Moment fehlt mir noch die Fantasie, dort mal an der Seitenlinie zu stehen.
Ich bin glücklich bei der SV Elversberg und froh, dass ich Bundesliga-Trainer sein darf – denn ich liebe meinen Job. Sie sind gelernter Gymnasiallehrer.
Welche Schulnote würden Sie Ihrer Mannschaft für den Saisonstart geben? Eine 1-.
Da ist noch Potenzial nach oben. Bitte die Nerven bewahren und weiterarbeiten, dann ist auch noch die glatte 1 drin.
Wie würden Sie reagieren, wenn ein Spieler in Elversberg plötzlich mit einem Lamborghini zum Training käme? Am Fuhrpark der Jungs sieht man schon, dass wir in den vergangenen fünf Jahren dreimal aufgestiegen sind.
Aber ich sehe das entspannt. Solange sich jemand menschlich vernünftig benimmt, sich an die Verkehrsregeln hält, die Kabine ordentlich verlässt und auf dem Platz Leistung bringt, ist mir das Auto völlig egal.
Ich durfte mal beim FC Kray ein Jahr mit Willy Aubameyang zusammenspielen. Der hatte auch unglaublich viel Geld und verrückte Autos.
Aber er war ein ganz toller Mensch, der null Stress gemacht hat und super integriert war. Ich habe nur berühmte Kontakte.
(lacht) Spannenderweise sind da mittlerweile wirklich schon ein paar tolle Namen dabei. Was auffällt: Sie tragen oft grüne Klamotten oder nutzen grüne Stifte.
Was hat es damit auf sich? Das hat sich irgendwann einfach so ergeben.
Ich mag die Farbe Grün, fühle mich damit sehr wohl. Eine größere Bedeutung oder ein Aberglaube steckt da nicht dahinter.
Ich fühle mich einfach gut mit der Farbe, da bekomme ich gute Laune. Die Welt ist doch eh schon ernst genug, da tut gelegentlich ein bisschen gute Laune gut.
Vergangene Saison haben Sie Ihre Haare bis zur nächsten Niederlage wachsen lassen. Geht es im Falle einer Pleite gegen die Bayern zum Friseur?
Nein, diese Regel gibt es aktuell nicht. Ich gehe zum Friseur, wenn ich Bock habe!
Meine Frau hasst meine langen Haare, ich finde sie aber besser. Was meine Haare angeht, bin ich der Boss.
Sie kann da Kommentare abgeben, aber ich entscheide. Familienmensch: Wagner mit seiner Frau, mit der er vier Kinder hat
Sie sind verheiratet, haben drei Töchter und einen Sohn.
Wer ist zu Hause der Boss? Puh … wir leben zu Hause in einer demokratischen Diktatur.
(lacht)
Wie schalten Sie vom Trainer-Job ab? Ich kann leider nicht jeden Tag nach Paris fahren, kann es aber jedem nur empfehlen: Mit dem TGV ist man vom Saarbrücker Hauptbahnhof in 1:50 Stunde dort.
Das habe ich tatsächlich auch schon gemacht, das ist wirklich cool. Oder ich gehe zum Abschalten in die Badewanne.
Erst bei gefühlt 60 Grad baden und danach unter die eiskalte Dusche. Das mag ich wirklich gerne.
Sie mögen auch alte Filme mit Heinz Rühmann († 92). Woher kommt diese Leidenschaft?
Mein Vater hat sich viele dieser Filme angesehen: „Feuerzangenbowle“, „Der Pauker“, „Pater Brown“. Ich finde sie einfach cool, da stecken oft tolle Botschaften drin, die man auch gut an Kinder weitergeben kann.
Zum Abschluss beenden Sie bitte den folgenden Satz: Am Saisonende hat die SV Elversberg …
… hoffentlich eine stressfreie Saison gespielt und der Liga viel Freude bereitet. Wenn man das als „souveränen Klassenerhalt mit tollem Fußball“ als Schlagzeile formulieren möchte, unterschreibe ich das sofort.
Haben Sie Fehler entdeckt? Möchten Sie etwas kritisieren?
Dann schreiben Sie uns gerne!
