Max Verstappen im Interview: „Ich habe ernsthaft überlegt, Schluss zu machen“ Max Verstappen (28) fährt seit 2016 für Red Bull Max Verstappen (28) hat seinen Vertrag bei Red Bull bis 2030 verlängert. In BILD spricht er über den Spaß an seinem Job, Gedanken ans Karriereende und andere Langstreckenrennen.
BILD: Sie betonen immer wieder, dass Sie zum Spaß fahren und den eigentlich nur hätten, wenn Sie um Siege kämpfen können. Obwohl das aktuell nicht der Fall ist, haben Sie Ihren Vertrag bis 2030 verlängert.
Warum? Max Verstappen (28): Weil sich das nach dem richtigen Schritt angefühlt hat.
Ich habe schon immer nach meinem Bauchgefühl entschieden und es bisher nie bereut. Haben Sie denn aktuell Spaß an Ihrem Job?
Ja. Es wäre natürlich noch spaßiger, wenn ich jedes Wochenende gewinnen würde, aber das gibt das Auto aktuell einfach nicht her.
Das ist okay, denn wir sind auf dem richtigen Weg und ein gutes Team. In den vergangenen Monaten und Jahren sind viele Leute gekommen und gegangen, sodass sich ein paar Dinge erst neu einspielen mussten, aber jetzt haben wir uns als Einheit gefunden.
Alle haben den Glauben daran, dass wir wieder an die Spitze kommen werden. Für dieses Ziel geben wir gemeinsam Vollgas – und das macht Spaß.
Die Verlängerung hätte noch Zeit gehabt. Ihr ursprünglicher Vertrag wäre noch bis 2028 gelaufen …
Ja, aber wenn beide Seiten langfristig zusammenarbeiten wollen, warum soll man dann warten?
Sie waren der Kritik ausgesetzt, dass Sie nur verlängert hätten, um eine Gehaltserhöhung zu bekommen. Was denken Sie darüber?
Weil es mich nicht interessiert, was andere über mich denken. Entscheidend ist, wie meine Familie, mein Management, das Team und ich selbst zu der Sache stehen.
Ich muss mit mir im Reinen sein, und das bin ich. Also waren der monatelange Vertragspoker und die Gespräche mit McLaren nicht nur ein Bluff, um Red Bull unter Druck zu setzen?
Nein. Jedes Gespräch mit einem anderen Team hat man ernst zu nehmen.
Aber letztlich war ich näher dran, in der Formel 1 aufzuhören, als bei einem anderen Rennstall zu unterschreiben. Na ja, entweder man hört auf oder nicht – es ist also eine 50:50-Entscheidung (lacht).
Ich habe ernsthaft überlegt, Schluss zu machen. Aber im Endeffekt liebe ich Racing.
Ich muss mir nichts mehr beweisen, bin viermaliger Weltmeister und habe schon nach dem ersten Titel alles erreicht, was ich immer wollte. Ich fahre nicht für die Geschichtsbücher, sondern für mich selbst, das Team und unsere Fans.
Deswegen war es letztlich eine leichte Entscheidung. Ist das Ihr letzter Formel‑1‑Vertrag oder können Sie sich vorstellen, wie Fernando Alonso auch mit 45 Jahren noch zu fahren?
Das glaube ich nicht, aber es ist unmöglich, das vorherzusehen. Ich werde so lange fahren, wie ich Spaß daran habe.
Stichwort Spaß: Sie sind dieses Jahr beim 24-Stunden-Rennen am Nürburgring an den Start gegangen und schwärmten danach. Welche anderen Langstreckenrennen planen Sie noch?
Das war auf jeden Fall eine coole Erfahrung, die ich noch einmal machen möchte. Dort geht es noch zu 100 Prozent um pures Racing.
Aber mich reizen auch andere Events dieser Art. Le Mans kann ich mir gut vorstellen, auch Daytona reizt mich.
Auch das war ein Grund, warum ich bei Red Bull verlängert habe. Sie geben mir die Möglichkeit, dass ich auch in diesen Kategorien an den Start gehen kann.
Das möchte ich auch in Zukunft – aber es muss zu meinen Bedingungen sein. Max Verstappen (28) beim Qualifying in Madrid
Zuallererst muss es natürlich in meinen Kalender passen.
Das ist bei 24 Grands Prix der Formel 1 nicht so einfach. Aber ich will auch das Mitspracherecht haben, wenn es um Entscheidungen bei der Performance des Autos geht.
Reizt Sie auch die Rallye? Ihr Vater ist dort sehr erfolgreich.
Ich finde es cool und es macht sehr viel Spaß, aber ich finde es einfach zu gefährlich. Natürlich kann immer was passieren – ich könnte nach diesem Interview aufstehen und von einem Bus angefahren werden.
Aber bei der Rallye fährt die Gefahr immer mit. Wenn man bei dem Highspeed auch nur einen Fehler macht, zerschellt man mit seinem Auto an einem Baum.
Das Risiko ist es mir einfach nicht wert. Zumal ich jetzt auch Vater geworden bin.
Würde Ihre Familie intervenieren, sollten Sie eine Teilnahme planen? Sie lassen mich eigentlich frei entscheiden über die Dinge, die ich machen möchte, aber in dem Fall würden sie wohl sagen, dass das nicht geht.
(lacht)
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