Mercedes-Vorstand macht Ansage: Kosten runter oder wir schließen zwei deutsche Werke! Fertigung im Mercedes-Benz-Werk Sindelfingen: Die Beschäftigten stehen vor einer Grundsatzentscheidung (Symbolfoto) Sindelfingen – Nimmt man den Berufsverkehr zum Maßstab für wirtschaftlichen Erfolg, ist die Welt in Stuttgart noch in Ordnung: Zu den Stoßzeiten quälen sich Tag für Tag Hunderttausende Fahrzeuge in Richtung der Metropole.

Einige davon steuern die Porsche-Standorte in Weissach und Zuffenhausen an, noch weit mehr zieht es „zum Schaffen beim Daimler“. Doch auch Mercedes-Benz sitzt die allmächtig erscheinende China-Konkurrenz tief im Nacken.

So wie es ist, kann es nicht mehr weitergehen, betonte jetzt ein mächtiger Vorstand des Autobauers. Bei der Betriebsversammlung im größten Werk in Sindelfingen machte Produktionsvorstand Michael Schiebe den Ernst der Lage deutlich: Zwar sei es weiterhin das „klare Ziel“, die deutschen Standorte zu erhalten.

Damit das gelinge, müsse man sich mit den Mitarbeitern umgehend „auf für alle verträgliche Maßnahmen einigen, um die Kosten in Deutschland zu senken“. Dann die klare Ansage: „Gelingt uns dies nicht, werden wir ein deutsches Aufbauwerk sowie ein deutsches Powertrainwerk schließen müssen.“ Zuerst hatte die „Stuttgarter Zeitung“ berichtet, ein Sprecher des Konzerns bestätigte die Angaben später der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

Produktion des neuen GLA in Rastatt. Bislang ist völlig unklar, welches Werk in Deutschland auf der Abschussliste stehen könnte (Symbol)

Im Klartext: Blockiert der Betriebsrat die Pläne des Vorstands, droht das Aus für zwei Standorte!

In früheren Debatten war maximal von einer Werksschließung die Rede gewesen. Deshalb geht nun in mehreren Bundesländern die Angst um.

Aufbauwerke, in denen die Fahrzeuge zusammengebaut werden, hat Mercedes-Benz in Deutschland nur in Rastatt (BaWü), Bremen und eben Sindelfingen. Powertrainwerke für die Fertigung einzelner Teile gibt es etwa in Kölleda/Arnstadt (Thüringen), Hamburg und Kamenz (Sachsen).

Für das Unternehmen ist klar: Der Standort Deutschland ist unattraktiv wie lange nicht mehr. Erst im Juli hatte Mercedes sein Werk in Ungarn deutlich erweitert.

Es profitiert dort von günstiger Energie, deutlich geringeren Löhnen und hat trotzdem vollen Zugang zum EU-Binnenmarkt. Immer wieder gab es deshalb Gerüchte, dass die Kapazitäten in Ost- und Mitteleuropa weiter ausgebaut werden – für die Region Stuttgart, in der die Seele von Mercedes beheimatet ist, wäre das eine Zäsur.

Und doch keine Ausnahme: Auch die China-Konkurrenz von BYD baut im ungarischen Szeged aktuell ein großes Werk. Haben Sie eine Meinung zu diesem Artikel?

Hier können Sie uns schreiben.Haben Sie Fehler entdeckt? Dann weisen Sie uns gern darauf hin.