Krummer Deal?: EU will Russen-Oligarchen von Sanktionsliste streichen Kreml-Diktator Wladimir Putin (73) überreichte Alischer Usmanow 2017 den Orden für Beneficence (Wohltätige Zwecke) während einer Zeremonie im Kreml Brüssel – Die EU will einen Streit um zwei russische Milliardäre mit einem ungewöhnlichen Deal beenden: Alischer Usmanow (73) und Michail Fridman (62) sollen von der europäischen Sanktionsliste gestrichen werden. Im Gegenzug sollen die Russland-Sanktionen gegen die übrigen rund 3000 Personen, Unternehmen und Organisationen nicht nur um sechs Monate, sondern gleich um drei Jahre verlängert werden.

EU-Diplomaten einigten sich am Montag grundsätzlich auf dieses Vorgehen. Auslöser des Streits ist zunächst Alischer Usmanow.

Der 73-Jährige wurde in der Sowjetunion im heutigen Usbekistan geboren und machte nach dem Ende der Sowjetunion ein Milliardenvermögen. Die EU setzte ihn 2022 auf ihre Sanktionsliste.

Brüssel begründete das unter anderem mit seinen engen Verbindungen zum russischen Präsidenten Wladimir Putin (73) und seiner wirtschaftlichen Bedeutung in Russland. Usmanow weist die Vorwürfe zurück und ist juristisch gegen die Sanktionen vorgegangen.

Das EU-Gericht bestätigte im September 2025 zunächst seine Listung. Warum will Frankreich plötzlich Usmanow helfen?

Die Slowakei hatte bereits seit Längerem verlangt, Usmanow von der EU-Sanktionsliste zu nehmen. Auch Ungarn unterstützte den Vorstoß.

Einen eindeutig belegten eigenen Grund der slowakischen Regierung für die Forderung gibt es bislang nicht. Allerdings ist bekannt, dass sich die Türkei und mehrere zentralasiatische Staaten für Usmanow einsetzen.

Der slowakische Ministerpräsident Robert Fico (62) leitete im März einen Brief des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan (72) an andere EU-Staaten weiter. Darin bat Erdoğan ausdrücklich um Unterstützung für die Streichung Usmanows.

Als Unterstützer wurden auch Aserbaidschan, Kasachstan, Kirgisistan und Usbekistan genannt. Erdoğan verwies unter anderem auf Usmanows Engagement für die Beziehungen zwischen den turksprachigen Staaten und deren Öffnung zum Westen.

Anfang September schloss sich überraschend Frankreich dieser Forderung an. Paris begründete seine Position offiziell mit Gründen der nationalen Sicherheit.

Diplomaten berichteten allerdings von einem möglichen Zusammenhang mit Aserbaidschan. Das Land hält zwei französische Staatsbürger fest.

Nach Angaben mehrerer europäischer Diplomaten könnte Frankreich versucht haben, über die Usmanow-Frage deren Freilassung zu erreichen. Damit wäre der Streit eigentlich noch nicht gelöst gewesen.

Denn Luxemburg verlangte daraufhin: Wenn Usmanow von der Liste gestrichen wird, muss das auch für Michail Fridman gelten. Fridman (62) ist einer der bekanntesten russischen Unternehmer der vergangenen Jahrzehnte.

Er wurde 1964 in Lwiw (heute Ukraine) geboren und baute gemeinsam mit Geschäftspartnern ab Ende der 1980er-Jahre die Alfa Group auf. Auch Fridman bestreitet die gegen ihn erhobenen Vorwürfe.

Fridman bestreitet die gegen ihn erhobenen Vorwürfe

Warum ist Luxemburg auf Fridmans Seite? Der Grund ist nicht, dass Luxemburg Fridman politisch unterstützen würde.

Fridman führt vielmehr seit Jahren juristische Auseinandersetzungen mit der EU und Luxemburg wegen der gegen ihn verhängten Sanktionen und eingefrorenen Vermögenswerte. Außerdem hat er bereits vor dem EU-Gericht gegen seine Listung geklagt und in einem Verfahren Erfolg gehabt.

Luxemburg befürchtet deshalb offenbar, dass eine unterschiedliche Behandlung von Usmanow und Fridman die eigene Position in den laufenden Rechtsstreitigkeiten schwächen könnte. Haben Sie eine Meinung zu diesem Artikel?

Hier können Sie uns schreiben.Haben Sie Fehler entdeckt? Dann weisen Sie uns gern darauf hin.