Bei Illner: Palmer kontert mit Drei-Faktoren-These Tübinger parteiloser Oberbürgermeister Boris Palmer (54) wurde bei Illner zugeschaltet Die Lage ist ernst – ist Ernst auch die Lösung? Die neue CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann (44) hat in ihrer Talkshow-Premiere bei Maybrit Illner (61) eine deutlich größere Portion dieser klassischen Tugend bestellt.
Hoppermanns eindringliche Forderung: „Ich glaube, dass es in der Politik auch wieder eine andere Form von Ernsthaftigkeit braucht, die anders mit den Menschen ins Gespräch geht und die Themen anders in die Tagespolitik einzubauen versucht.“
Denn, so die Begründung der Kanzler-Vertrauten: „Das ist der Punkt, an dem wir sind. Das ist die Frage: Wie gewinnen wir Glaubwürdigkeit und Vertrauen zurück?
Wie gewinnen wir die Menschen auf diesem Weg? Jetzt stehen ja wirklich Entscheidungen an.
Wir muten den Menschen ziemlich viel zu, weil wir unser Land in die Zukunft bringen wollen. Auf einem Weg mit tragfähigen Sozialsystemen, damit wir den Menschen helfen können, die wirklich Hilfe brauchen, und da nicht in eine komplette Schieflage kommen.“
„Das ist ja der Grund, warum wir diese Reformen machen müssen“, mahnte die CDU-Generalin.
„Dass wir das aber so transportieren und kommunizieren müssen, dass auch diese Botschaft, warum machen wir das, im Dialog…“ Hier unterbrach Illner sie mit einem Vorschlag: „Besser erklärt werden muss?“ Doch Hoppermann tappte nicht in die Falle: „Das tut immer so, als wären die Menschen nicht klug genug, einen zu verstehen,“ wehrte sie ab. „Das nehme ich gar nicht so wahr.
Sondern, dass man diese Zumutungen ehrlich benennen kann.“
Autor Fabian Grischkat (26) zweifelte an der nötigen Volksnähe: „Beim Bundeskanzler habe ich nicht das Gefühl, dass er nahe bei den Leuten ist.“ Das aber wies Hoppermann energisch zurück: „Dass er natürlich ein anderes Leben hat, aufgrund seiner Sicherheitseinstufung, ist ja vollkommen klar. Aber natürlich spricht er mit ganz vielen Menschen.
Die Ursprungsfrage war ja: Wissen wir, was die Themen der Menschen sind? Und das würde ich mit jeder Faser in Anspruch nehmen!“
„Ich glaube auch nicht, dass es ums Erklären geht“, konterte der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer (54).
„Das unterstellt ja auch immer, dass die Leute schwer von Begriff sind.“ Palmers These: „Ich glaube, dass es jetzt drei neue Faktoren gibt. Der erste ist die AfD, die ein großes Interesse hat, alle Politiker als unfähig, elitär und abgehoben darzustellen.
Das zweite ist, dass unser Land viele funktionale Probleme hat: Wir erleben den Staat häufig als übergriffig und dysfunktional. Und dadurch sinkt natürlich auch die Identifikation mit den Politikern.
Und drittens haben wir ein Problem mit der Meinungsfreiheit in unserem Land erschaffen, indem Politik vor 15 Jahren immer mehr versucht hat, Leute zu belehren, dass man Dinge nicht mehr sagen soll oder auch nicht meinen darf.“
Palmers Beispiel: „Wenn Sie da gesagt haben, ich erwarte einfach, dass Flüchtlinge uns nicht dauerhaft auf der Tasche liegen. Oder ich will nicht, dass durch Fluchtmigration die Gewalt in unserem Land zunimmt.
Oder dass in unseren Schulen die Leistungen zurückgehen, weil wir zu schnell zu viele Kinder aufnehmen, die kein Deutsch sprechen. Was ist dann passiert?
Dann wurden Sie als Rassist, als rechtsradikal oder mit ‚Geh doch zur AfD!‘ diffamiert. Aber das sind doch nun mal Auffassungen, die viele Menschen vertreten haben.
Mit denen wurde nicht mehr im Dialog gesprochen, sondern von oben herab. Und das sorgt für Staatsverdruss und gute AfD-Ergebnisse.“
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