Zu erfolgreich in Niedersachsen: AfD kann mehr als 230 Posten nicht besetzen Mit interaktiver Karte: Wie blau ist Ihr Wahlkreis? In der Landtagsfraktion konnte die AfD noch alle Mandate wahrnehmen.
Aber in Gemeinderäten bleiben mehr als 200 Sitze unbesetzt
Hannover – Die AfD ist bei den Kommunalwahlen in Niedersachsen der große Gewinner. Sie konnte ihr Ergebnis im Vergleich zu 2021 mehr als verdreifachen und kam auf 15,9 Prozent.
Die Rechten schickten mehr als 2600 Kandidaten ins Rennen um die Mandate in Kommunalparlamenten. Das war allerdings nicht genug: Die AfD hatte nicht genug Bewerber, um alle gewonnenen Sitze zu besetzen.
Jede Partei oder Wählergemeinschaft stellt vor der Wahl Kandidatenlisten für den jeweiligen Wahlkreis auf. Manchmal gewinnt sie mehr Sitze, als sie Bewerber hat.
Das ist nicht ungewöhnlich. Allerdings ist die Zahl mit 277 unbesetzten Sitzen nach dieser Kommunalwahl außergewöhnlich hoch.
Und: 235 dieser ungenutzten Mandate hat die AfD mit ihrem bislang besten Wahlergebnis in Niedersachsen errungen – das sind mehr als 80 Prozent. Zum Vergleich: Bei der SPD sind es zehn Sitze, beim BSW sechs und bei CDU und Grünen jeweils vier.
Bei der Kommunalwahl 2021 war es nur ein Bruchteil. In den Gemeinde- und Ortsräten im Landkreis Osnabrück kann die AfD 25 Mandate nicht besetzen.
Im Landkreis Leer sind es 24, in Aurich 22. Hinzu kommen etliche weitere Kommunen.
Das geht aus dem vorläufigen Ergebnis der Gemeindewahlen des Landeswahlleiters hervor. Auch im Peiner Kreistag und im Emdener Stadtrat bleiben jeweils drei AfD-Sitze unbesetzt.
• Die AfD-Hochburg in Niedersachsen ist Salzgitter. Dort kam die Rechtsaußen-Partei auf 27,4 Prozent der Stimmen (vor SPD mit 25,8 %) und stellt mit 13 Abgeordneten die größte Fraktion im Stadtrat.
Ihre OB-Kandidatin Patricia Mair erreichte mit 25,7 Prozent die Stichwahl gegen Amtsinhaber Frank Klingebiel (62, CDU). • Auch in Munster (Heidekreis), der Heimat von SPD-Bundeschef und Vizekanzler Lars Klingbeil (48), ist die AfD mit 25,2 Prozent stärkste Kraft im Stadtrat – vor SPD (24,3 %) und Munster Union (23,6 %).
Ihr Bürgermeister-Kandidat Christoph Weynand (30) zieht mit 20,7 Prozent in die Stichwahl gegen die Einzelbewerberin Anna Adamczak (48,1 Prozent) ein. • In Delmenhorst liegt die AfD mit 23,4 Prozent nur knapp hinter der SPD (23,8 Prozent) – aber vor der CDU mit 21,2 Prozent.
AfD-Landeschef Ansgar Schledde (49) hebt hervor, seine Partei sei jetzt landesweit in allen Kreistagen und Räten kreisfreier Städte vertreten. „Wir haben unsere Wahlziele deutlich übertroffen“, sagte er zu BILD.
Aber: „Trotz einer Vervierfachung der Mitgliedszahlen konnten wir auch aufgrund des sozialen Drucks auf Kandidaten nicht alle Listen voll besetzen.“ Der Vorstand wolle sich jetzt verstärkt auf die Mitgliedergewinnung konzentrieren. Haben Sie eine Meinung zu diesem Artikel?
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