Neue Umfrage: 30:20-Kipppunkt erreicht AfD 10 Prozentpunkte vor Union ++ Experte: Würde Statik Deutschlands fundamental verändern Bundeskanzler Friedrich Merz (70, CDU) unter Druck Berlin – Es war eine dringende Warnung vor einem ganz speziellen Szenario – und zumindest in einer Umfrage ist es jetzt erstmals eingetreten! Der Kommunikationsexperte Philipp Jessen nennt es den 30:20-Kipppunkt und er werde seiner Meinung nach zu fundamentalen Änderungen in der politischen Statik Deutschlands führen.
Was der Buchautor („Shitfluencer: Wie Social Media Deutschlands Demokratie zerstören wird – oder retten kann“) meint: Sollte die AfD die nächste Bundestagswahl mit 30 Prozent gewinnen, die CDU aber nur 20 Prozent holen, hätte das weitere dramatische Verschiebungen zur Folge. Bevor aber regulär im März 2029 die nächste Bundestagswahl stattfindet, ist der 30:20-Kipppunkt in einer am Montag veröffentlichten Erhebung des Umfrageinstituts GMS schon erreicht.
Erstmals misst eines der etablierten Umfrageinstitute die AfD bundesweit bei 30 Prozent und die Union zugleich bei nur 20 Prozent. Das sind die psychologischen Folgen des 30:20-Kipppunkts
Wird so auch tatsächlich gewählt, wäre die AfD für den früheren Journalisten (u.
a. Welt und BILD) und Chefredakteur („Bravo“, „Stern online“) endgültig keine Protest- oder Außenseiterpartei mehr, sondern deutlich sichtbar die stärkste politische Kraft.
Psychologisch vergleicht Jessen das mit dem Bestseller-Effekt im Buchhandel. Wenn ein Buch ganz oben auf der Bestsellerliste steht, greifen Menschen eher danach, weil es bereits als erfolgreich wahrgenommen wird.
Menschen würden sich auch gern hinter jener politischen Kraft versammeln, die sie als die stärkste wahrnehmen. Philipp Jessen war früher Journalist (u.
a. Welt und BILD) und Chefredakteur (Bravo, Stern online).
2017 gründete er mit Ex-BILD-Chef Kai Diekmann die auf Social Media spezialisierte PR-Agentur „StoryMachine“
Es geht um den Kurzclip fürs Netz, nicht die Rede im Bundestag
Was die AfD laut dem Kommunikationsexperten u. a.
so stark macht: Politik werde längst über Unterhaltung gemacht – vor allem in den sozialen Medien. Das habe die AfD schon lange begriffen.
Es geht ihr nicht mehr um die Rede im Bundestag, den Auftritt in der Talkshow. Sondern um den zehnsekündigen Clip, den man daraus fürs Netz erzeugen kann.
Es geht darum, einen Spruch, eine Geste, einen Lacher, einen Wutausbruch zu produzieren, der sich zusammengeschnitten hunderttausendfach im Netz verbreitet. Diese Entwicklung hätten CDU, SPD und Grüne lange unterschätzt, konstatiert Jessen.
Er fordert eine digitale Gegenoffensive der bürgerlichen Parteien. Diese müssten Social Media zur Chefsache machen, eigene Influencer und Creator aufbauen und fördern, Emotionen wagen, auf neuen Plattformen ganz vorne mit dabei sein.
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