Verrücktes Dorfklub-Duell: Saltojubel und Stadionpanne in der 3. Liga Artistischer Jubel: So feiert Schalke-Leihgabe Alexander Guiddir (19) sein Traumtor Atmosphärisch war das Dorfklub-Duell zwischen dem TSV Havelse und der SG Sonnenhof Großaspach überschaubar.

Nur 505 Zuschauer verloren sich in der Arena von Zweitligist Hannover 96 (Kapazität 49.000 Zuschauer). Aber die bekamen trotz Geisterkulisse ordentlich was geboten – ein Traumtor von Schalke-Leihgabe Alexander Guiddir (19), einen Saltojubel und eine Stadionpanne, nach der das Spiel plötzlich auf den Kopf gestellt wurde.

In der 6. Minute ging Havelse mit 1:0 in Führung.

Alexander Guiddir, von Schalke II ausgeliehen, tanzte durch die Gästeabwehr, vernaschte drei Großaspacher und knallte die Kugel ins lange Eck. Ein Traumtor – und ein traumhafter Jubel.

Der 19-Jährige feierte sein drittes Saisontor mit einem artistischen Rückwärtssalto. Ex-Bayern-Talent Kwasi Wriedt (14.) verpasste das 2:0, traf nur die Latte.

Es wäre die Krönung einer starken Anfangsphase gewesen. Eine Stadionpanne zog den Havelsern den Stecker.

Rund 60 Sekunden war über die Stadionlautsprecher die Liveübertragung des Zweitliga-Spiels Bochum gegen Fürth zu hören. Das Spiel lief zunächst weiter, ehe Schiri Yannik Sager in der 19.

Minute kurz unterbrach und auf die Fehlerbehebung in der Regie wartete. Kurz darauf konnte es weitergehen – aber der TSV bekam plötzlich nichts mehr auf den Schirm.

Die Fehler häuften sich. Als auch Torwart Omer Hanin patzte, glich Großaspach aus.

Hanin ließ einen Kopfball von Kapitän Volkan Celiktas nach vorn prallen, Loris Maier (32.) staubte zum 1:1 ab. In der Nachspielzeit der ersten Halbzeit kam es noch schlimmer für Havelse.

Celiktas nickte eine Flanke von Niklas Pollex zur 2:1-Gästeführung ein – Spiel gedreht. Havelse-Trainer Samir Ferchichi wechselte in der Pause dreifach, um das TSV-Spiel neu zu beleben.

An den Schwung der starken Anfangsphase kam der Dorfklub aus Garbsen (bei Hannover) zunächst nicht mehr ran. Trotzdem reichte es am Ende zumindest noch zum Unentschieden.

Guiddir (88.) glich mit seinem vierten Saisontor zum späten 2:2 aus, verzichtete dieses Mal auf einen Salto. Die Stadionpanne hat Havelse möglicherweise den dringend erhofften Dreier gekostet.

Das dürfte neuen Ärger geben. Denn nur weil der DFB das kleine Eilenriedestadion bisher wegen angeblicher Mängel nicht freigegeben hat, muss Havelse weiter in der 96-Arena spielen.

„Unerträglich“, findet auch 96-Patron Martin Kind (82) das Verhalten des DFB und befürchtet sogar „wirtschaftlichen Selbstmord“, sollte Havelse weiter in der Arena spielen müssen. Finanziell fährt der TSV hier bei jedem Heimspiel ein dickes Minus ein.

Übrigens: In der vergangenen Saison durfte Havelse im Eilenriedestadion in der 96-Akademie spielen. Nach dem sportlichen Abstieg gab's die Rettung am Grünen Tisch, weil der TSV 1860 München keine Drittliga-Lizenz bekam.

Innerhalb von nur drei Wochen wies der TSV seine wirtschaftliche Drittliga-Tauglichkeit beim DFB nach. Eine Erlaubnis für die kleinere Spielstätte in der Eilenriede erteilte der Verband bislang nicht.

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