Magische Hürde geknackt ++ Unglaubliche Zahlen: Plötzlicher Schach-Boom in Deutschland Mit verantwortlich für den deutschen Schach-Hype: Vincent Keymer wurde mit 14 Jahren jüngster deutscher Schachgroßmeister der Geschichte Seit Dienstag läuft im usbekischen Samarkand die Schach-Olympiade, das bedeutendste Mannschaftsturnier der Welt. Deutschland ist mit hohen Ambitionen angereist.

Das Männer-Team startet als Nummer sechs der Setzliste, angeführt von Schach-Genie Vincent Keymer (21), der als Weltranglisten-Sechster längst zur absoluten Elite gehört. Das Ziel: eine Medaille!

Woher kommt Deutschlands Aufstieg zur Schach-Nation? Die Entwicklung nahm während der Corona-Pandemie Fahrt auf.

Zeitweise waren Schachbretter ausverkauft, gleichzeitig verzeichneten Online-Plattformen Rekordzahlen. Zusätzlichen Schub brachte die Netflix-Erfolgsserie „Damengambit“, die das Spiel weltweit in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit rückte.

Inzwischen spielen in Deutschland rund 3,5 Millionen Menschen wöchentlich Online-Schach. Schach: Rund 3,5 Millionen Deutsche spielen wöchentlich Online

Der Aufschwung ist messbar.

Ende August knackte der Deutsche Schachbund (DSB) erstmals die Marke von 100 000 Mitgliedern. Besonders beeindruckend ist die Entwicklung im Nachwuchsbereich.

DSB-Präsident Paul Meyer-Dunker sagt zu SPORT BILD: „Etwa 33 000 unserer Mitglieder sind unter 20 Jahre alt. Das ist ein Rekord.“

Paul Meyer-Dunker, der Präsident des Deutschen Schachbundes

Auch wirtschaftlich wächst die Bedeutung der Sportart.

Mit der Chess Media Group verfügt der Deutsche Schachbund erstmals über einen exklusiven Vermarktungspartner. Im Juni sorgte der Einstieg von Formel-1-Investor CVC Capital Partners in die weltweite Online-Plattform Chess.com für Aufsehen.

Das Gesicht des deutschen Schach-Booms ist Vincent Keymer, der mit 14 Jahren zum jüngsten Großmeister der deutschen Geschichte wurde. Auch er erkennt die positive Entwicklung.

Gleichzeitig fordert er weitere Verbesserungen der Rahmenbedingungen. Keymer zu SPORT BILD: „Deutschland verfügt über zahlreiche Talente.

Doch irgendwann stellt sich für viele die Frage, wie weit sie ihre Ausbildung für den Sport zurückstellen können. In Ländern wie Indien oder Usbekistan sind die Rahmenbedingungen teilweise andere.“

Vincent Keymer im Gespräch mit BILD-Reporter Paul Grotenburg

Er fordert mehr Perspektiven für Nachwuchsspieler: „Wir sind auf einem guten Weg, aber langfristig wird es schwer, Talente im Schach zu halten, wenn ihnen die nötige Sicherheit fehlt.“

2027 feiert der Verband sein 150-jähriges Bestehen.

Das langfristige Ziel: Schach vom Schulhof bis zur Weltspitze noch sichtbarer zu machen. Hinter den Kulissen gibt es deshalb Überlegungen, die Endspiele der deutschen Meisterschaft 2027 bei den „Finals“ in Stuttgart (16 deutsche Meisterschaften an neun Sportstätten) anzudocken, um so die öffentliche Aufmerksamkeit weiter zu erhöhen.

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