Zwei Wahlen und ein Kanzler, der um sein Amt kämpft: Heute wird es wieder knapp! Wahllokale in Berlin und Meck-Pomm geöffnet Wackelt der Kanzler?
CDU-Chef Merz (70) mit dem Berliner CDU-Spitzenkandidaten Stefan Evers
Berlin – Die Stimmung beim Kanzler: hochnervös. Friedrich Merz (70) weiß, dass die Landtagswahlen heute in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin auch über sein Schicksal entscheiden können.
Es könnte knapp werden – in jeder Hinsicht. Doch der CDU-Chef kämpft und will drohende Revolten noch am Sonntagabend niederringen.
Dafür hat er die Führungsmannschaft der CDU, das Präsidium, in die Parteizentrale einbestellt. 17 Uhr, Konrad-Adenauer-Haus, Berlin.
Erscheinen ist Pflicht. Auch alle acht CDU-Ministerpräsidenten lässt Merz antanzen.
Es ist das Rückspiel dafür, dass sie ihn (mit Ausnahme von Daniel Günther aus Schleswig-Holstein) am Katastrophenabend der Sachsen-Anhalt-Wahl in der Parteizentrale alleine ließen. Merz telefonierte nach BILD-Informationen sogar einige Ministerpräsidenten ab, um sicherzustellen, dass sie an diesem Sonntagabend an seiner Seite sitzen.
Denn heute kann es noch übler werden: In Meck-Pomm bekommt die CDU aller Voraussicht nach das schlechteste Wahlergebnis ihrer Geschichte. Selbst ein Scheitern an der 5-Prozent-Hürde ist nicht ausgeschlossen.
Und in Berlin könnte die Linkspartei die CDU überholen. Als sicher gilt: Bei beiden Landtagswahlen schrumpft der CDU-Balken, während sich der AfD-Balken verdoppeln könnte.
Merz droht die nächste blaue Stunde. Sein Kalkül: Wenn sich die Ministerpräsidenten am Sonntagabend trotz grottenschlechter CDU-Ergebnisse hinter ihn stellen, können sie ihn schlecht ein paar Tage später stürzen.
Berlin im Blick: Parteichefin Alice Weidel (47), Spitzenkandidatin Kristin Brinker und AfD-Rechtsaußen Björn Höcke (54) feierten 2025 zusammen nach der Bundestagswahl
CDU-Ministerpräsidenten wollen Plan von Merz
Doch die Ministerpräsidenten haben eigene Pläne. Einer sagte BILD: „Wir wollen von Friedrich Merz hören, was sein Plan ist, damit es wieder besser läuft.
Reformankündigungen, Personalrochaden in der Regierung und Fraktion – das hat alles nichts gebracht.“
Vier Kilometer entfernt, im Willy-Brandt-Haus, sitzt zur selben Zeit die SPD-Spitze zusammen. In der Partei grummelt es, die Unzufriedenheit mit den Parteichefs Lars Klingbeil (48) und Bärbel Bas (58) wächst.
Wer die beiden retten kann: Manuela „Manu“ Schwesig, Ministerpräsidentin aus Mecklenburg-Vorpommern. Sie ist in Umfragen etwa dreimal so stark wie die SPD im Bund, könnte knapp sogar die AfD überholen.
Rettet Schwesig die angeschlagene SPD-Spitze um Bärbel Bas (58) und Lars Klingbeil (48)? Ab heute Abend wird Schwesig, die sich im Wahlkampfendspurt die „Frau gegen Blau“ nannte, die starke Frau der SPD.
Ein Parteistratege: „Ohne Manus Billigung wird es keinen Sturz der Parteispitze geben.“ Und bis sie in Schwerin eine stabile Regierung gebildet und die Wiederwahl zur Ministerpräsidentin überstanden hat, wird sie alle zur Ruhe verdonnern. Was sie auch ohne Parteiamt machen wird: den Kurs der SPD mitbestimmen.
Konkret: mehr Härte bei Sozialbetrug, weniger Kürzungen für Arbeitnehmer. Die geplante Abschaffung der „Rente mit 63“ wird Schwesig mit allen Mitteln verhindern.
Der richtige Spitzenkandidat ist entscheidend
Für Unruhe könnte in der SPD ein einstelliges Ergebnis in Berlin sorgen. Doch dagegen stehen das wahrscheinliche Traumergebnis von Schwesig und die Erkenntnis, dass der richtige Spitzenkandidat entscheidend ist.
Für die nächste Bundestagswahl heißt das: Wenn Schwesig will, müsste Klingbeil ihr wohl die Kanzlerkandidatur überlassen. Ähnlich wie Merz schart auch Klingbeil einflussreiche Parteifreunde um sich.
Am Montagabend laden er und Bas frühere SPD-Chefs (Martin Schulz, Sigmar Gabriel, Matthias Platzeck, Andrea Nahles) zur vertraulichen Lagebesprechung ins Willy-Brandt-Haus ein. Laut „Süddeutscher Zeitung“ wollen sie sich Rückendeckung für ihren Kurs organisieren.
Einer, auf den viele schauen, wenn es um einen Wechsel an der Parteispitze geht, sitzt zur gleichen Zeit im Fernsehen: Ex-Arbeitsminister Hubertus Heil (53), den Klingbeil nach der Bundestagswahl ziemlich rüde abgesägt hatte, redet bei „Maischberger“. Doch ob Heil wirklich einen Angriff wagt, gilt als fraglich.
Auch Merz profitiert davon, dass sich die Union nicht auf einen Nachfolger einigen kann. NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (51) und CSU-Chef Markus Söder (59) blockieren sich gegenseitig.
NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (51) und CSU-Chef Markus Söder (59) blockieren sich gegenseitig
Mittlerweile gibt es eine neue Idee: Merz könnte demnächst den Parteivorsitz aufgeben und so klarmachen, dass er bei der nächsten Bundestagswahl nicht wieder als Kanzlerkandidat antritt. Allerdings: Merz muss sich darauf einlassen.
Und die Partei sich auf einen Nachfolger einigen. In der CDU wachsen gerade Zweifel, ob der liberale Wüst, der mit den Grünen regiert, wirklich der Retter ist.
Und so läuft sich einer mit einem konservativeren Profil warm: Hessens Ministerpräsident Boris Rhein (54), der gerade in der „Welt“ die Brandmauer-Strategie kritisiert hatte und einen anderen Umgang mit der AfD fordert. In dieser Gemengelage kommen auf die Bundesregierung schwierige Zeiten zu.
Mit ihrer knappen 12-Stimmen-Mehrheit muss sie in den nächsten Monaten die Renten- und Pflegereform durch den Bundestag bringen. Um den Haushalt und die mickrige Steuerreform gibt es jetzt schon erheblichen Ärger.
Und dann hat Klingbeil bei Merz am Freitag auch noch einen Spritpreisdeckel durchgeboxt, vor dem die CDU‑Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (53) bislang lautstark gewarnt hatte. Ein Regierungsmitglied beschreibt die Lage so: „Union und SPD haben angesichts der miesen Umfragen kein Interesse an Neuwahlen.
Das diszipliniert hoffentlich die Abgeordneten.“
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