Kommentar von Politik-Vize Filipp Piatov: Die Doppelmoral der Antifaschisten Die Linken-Chefs Luigi Pantisano (47) und Ines Schwerdtner (37) bei einer Anti-Israel-Demo. Müsste man eine Sache nennen, die für Adolf Hitler charakteristisch war, dann wäre es wohl sein Antisemitismus.

Diktaturen und Kriege gab es viele, aber sich so sehr in den Hass eines kleinen Volkes hineinzusteigern, um irgendwann Mütter mit Babys im Arm in Gaskammern zu ermorden, ist in der Geschichte der Menschheit einmalig. Nennt sich also jemand Antifaschist in Deutschland, müsste man meinen, dass die Person vor allem ein Anti-Antisemit ist.

Erstaunlicherweise ist das Gegenteil der Fall. Ausgerechnet jene, die am lautesten vor der Wiederholung der deutschen Geschichte und der Wiederkehr des Faschismus warnen, sehen die Sache mit dem Judenhass sehr viel entspannter.

Manche, wie einige besonders eifrige Funktionäre der Linkspartei, haben sich selbst dem Antisemitismus verschrieben. Und zwar nicht irgendeinem, sondern dem eliminatorischen, also jener besonders radikalen Ausprägung, die den Mord an Juden zum Ziel hat.

Sie haben sich mit Islamisten verbrüdert und ihnen beigebracht, dass sie in Deutschland bitte nicht Juden, sondern Zionisten sagen sollen. Und sie praktizieren selbst, was man früher nur aus neonazistischen Holocaustleugner-Kreisen kannte: Massaker an Juden werden entweder geleugnet oder zu heldenhaftem Widerstand verklärt.

Was für die Neonazis der Holocaust war, ist für die Linksantisemiten das Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023.

Obwohl Deutschland so verdammt stolz ist, aus seiner Geschichte gelernt zu haben, kommen die linken und islamistischen Antisemiten damit erstaunlich gut durch. Das liegt keineswegs daran, dass sie ihren Antisemitismus allzu geschickt verbergen.

Wer „Intifada“ (= palästinensische Terrorwelle) und „Tod der israelischen Armee“ (= einziger Schutz vor palästinensischem Terror) ruft, macht aus seinen Absichten kein Geheimnis. Doch das antifaschistische Milieu, das rassistische Umtriebe beim politischen Gegner mit größter Härte verurteilt, lässt gegenüber Antisemiten im eigenen Lager Großzügigkeit walten.

Eigentlich sind die aufmerksamen Linken Profis darin, die wahren Absichten von Extremisten zu enttarnen. Sie erklären uns, welche finsteren Pläne hinter dem Wort „Remigration“ stecken können, welche Verschwörungstheorie dem Begriff „Umvolkung“ zugrunde liegt, und wie mit dem Ausdruck „Messermänner“ pauschal Migranten verunglimpft werden.

Selbst bestimmte Handzeichen und sogar Emojis erkennen und entlarven sie geübt als rechtsextreme Codes und Chiffren. Aber wenn der einzige jüdische Staat der Welt als genozidale Kindermörder-Hölle diffamiert, die Israel-Karte mit Palästina-Farben übermalt und zum Boykott gegen jüdisch-israelische Musiker aufgerufen wird, kommen plötzlich Zweifel auf, ob das denn wirklich antisemitisch sei.

Linken-Spitzenkandidatin Elif Eralp (45): Sie kritisiert die schlimmsten antisemitischen Auswüchse in ihrer Partei, tut aber nichts dagegen

Die linke Großzügigkeit gegenüber Antisemiten hat wohl auch machttaktische Gründe. Es ist ein Trugschluss, dass die Linkspartei nur trotz des grassierenden Antisemitismus gewählt wird.

Manch einer wählt sie gerade deshalb. So wie Rechtsextreme von der AfD angezogen werden, so bietet den Antisemiten derzeit die Linkspartei eine politische Heimat.

Im Berliner Wahlkampf spielen sich aktuell Szenen ab, die aus einem Houellebecq-Roman stammen könnten: Auf Berliner Straßen, die kein Jude mehr sicher betreten kann, wenn er als solcher erkennbar ist, werben linke Kandidaten in voller Anti-Israel-Montur auf Arabisch um Wählerstimmen und versprechen, sich im Parlament gegen den jüdischen Staat einzusetzen. In den großen linken Parteien bereitet man derweil lieber schon die nächste „Nie wieder ist jetzt“-Rede vor.

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