Wahlkampfendspurt in Mecklenburg-Vorpommern: „Blicke mit Sorge auf das Wahlergebnis“ Tourismus-Chef von Rügen wirbt für Toleranz und Weltoffenheit Das Kap-Arkona ist laut Andreas Heinemann ein Sehnsuchtsort Kap Arkona - Andreas Heinemann (52) ist Chef des Tourismusverbandes Rügen. Er teilt sich den Job mit einer Kollegin.

Ein Ehrenamt. Wir treffen ihn in seinem Büro, in Sichtweite des Kap Arkona, dem nördlichsten Punkt der Insel.

Von dort hat man einen Blick bis nach Schweden und Dänemark. Seine ganze Aufmerksamkeit gilt den Gästen, die im vergangenen Jahr für rund 6,5 Millionen Übernachtungen auf der Insel Rügen gesorgt haben.

Andreas Heinemann im Gespräch mit BILD-Reporter Michael Engelberg

Und genau deshalb treibt ihn die anstehende Wahl um. Er sagt zu BILD: „Das Kap Arkona ist ein Sehnsuchtsort für die Menschen.

Und der soll auch nach der Wahl einer bleiben.“ Sein Verband hat aus guten Gründen eine Stellungnahme für Toleranz und Weltoffenheit verfasst. Heinemann: „Wenn der Verband sich bemüßigt fühlt, eine solche Stellungnahme abzugeben, dann hat das eine Ursache.

Viele Aussagen der AfD sind diesem Bestreben einfach nicht zuträglich. Gastronomie und Tourismus würden auf der Insel ohne ausländische Fachkräfte nicht mehr funktionieren.

Die Insel soll doch auch für Fachkräfte attraktiv bleiben.“

Ein abendlicher Blick auf den Hafen von Sassnitz

Für ihn und den Verband sei es wichtig, diesen Menschen weltoffen zu begegnen und eine „Willkommenskultur zu haben und zu sagen: Kommt hierher zum Arbeiten“. Die Konkurrenz um Fachkräfte sei groß.

Länder, Betriebe und Branchen würden gleichermaßen um Arbeitnehmer werben. Die AfD ist auf der Insel ein großes Thema, auch unter den Menschen, die den Tourismusbetrieb am Laufen halten.

Die Partei holte in der Inselhauptstadt Bergen knapp 50 Prozent der Zweitstimmen. Das merkt auch Andreas Heinemann:

„Wir bekommen natürlich auch mit, dass bestimmte Gäste nicht mehr kommen wollen.

Die melden sich direkt bei ihren Vermietern und sagen, dass Rügen politisch gesehen nicht mehr ihre Insel sei. Das macht mich auch insofern betroffen, als Besucher das Wahlverhalten eines Teils der Bevölkerung zum Anlass nehmen, nicht mehr zu kommen.

Was kann denn die Insel dafür?“ Er kenne viele Menschen, die AfD wählen würden. Für ihn mache es keinen Sinn, mit diesen Leuten nicht mehr zu reden.

Ein Verbot der AfD lehne er ab. Stattdessen sagt er:

Ein seltener Moment: ein freier Blick auf den Leuchtturm

„Solange Parteien auf dem Wahlzettel stehen, muss man es auch aushalten, dass sie gewählt werden.

Es wird offener darüber gesprochen, dass man AfD wählt. Und weil die Prognosen für die AfD so hoch sind, haben wir als Verband dieses Statement verfasst.

Das gilt aber auch für Besucher, die AfD wählen. Willkommen sind hier alle, die sich an gesetzliche Regelungen halten.“

Neben seinen Tätigkeiten im Tourismus ist Andreas Heinemann am Sonntag auch Wahlhelfer bei der Landtagswahl.

„Dann ist Tag der Wahrheit, und ich wünsche mir, dass wir als Tourismusregion auch weiterhin gute Rahmenbedingungen haben.“ Persönlich hat Heinemann eine klare Meinung: „Ich wähle die AfD nicht. Das kann ich ganz klar sagen.

Das werden manche nicht hören wollen. Aber die AfD überzeugt mich weder mit ihrem Auftreten noch mit ihrem Wahlprogramm.“

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