Ruder-Ikone Klaus Bittner und Film-Star Leonard Kunz: Unser Gänsehaut-Moment am Filmset von „Adams Acht“ Warum die Geschichte vom Kinofilm „Adams Acht“ heute aktueller denn je ist, verraten Ruder-Held Klaus Bittner (87, l.) und Schauspieler Leonard Kunz (34) im BILD-Doppelinterview Berlin/Bad Segeberg (Schleswig-Holstein) – Plötzlich stand die Geschichte selbst am Filmset. Als Klaus Bittner (87) beim Dreh erschien, brachte er mehr mit als Erinnerungen.

In seiner Hand hielt der letzte noch lebende Ruderer des Olympia-Achters von 1960 jene Goldmedaille, die deutsche Sportgeschichte geschrieben hatte. Für die Schauspieler von „Adams Acht“ wurde Bittners Besuch zum Gänsehaut-Moment.

Eine Goldmedaille, die Geschichte schrieb. Ein Film, der sie wieder lebendig macht.

„Adams Acht“ erzählt den legendären Olympia-Sieg von Rom 1960 neu – die wahre Geschichte von Trainer Karl Adam (1912-1976), der den deutschen Achter zu Olympiagold führte. Dabei stellt der Streifen eine Frage, die aktueller kaum sein könnte: Was hält eine Gesellschaft zusammen?

Darüber sprachen Olympia-Held Klaus Bittner und Schauspieler Leonard Kunz (34) im BILD-Generationen-Gespräch – über Zusammenhalt, die Lehren aus der Geschichte und die Gefahr des Vergessens. 66 Jahre nach Olympia-Gold: Klaus Bittner (r.) besuchte in Ratzeburg (Schleswig-Holstein) die Dreharbeiten von „Adams Acht“ und brachte seine Goldmedaille mit.

Mit Oliver Masucci (57, l.) als Trainer Karl Adam wird die Geschichte des legendären Deutschland-Achters wieder lebendig

Leonard Kunz: Dreieinhalb Monate Training bis zur Rolle

„Das Boot“-Star Leonard Kunz erinnert sich an diesen besonderen Moment noch ganz genau: „Wenn der Original-Olympiasieger von 1960 mit der echten Goldmedaille vorbeikommt, dann willst du für den alles geben! Wir haben alles gegeben, um ihn stolz zu machen.“ Für seine Rolle musste Kunz seinen Körper komplett verändern.

Vor den Dreharbeiten hatte er noch nie in einem Ruderboot gesessen. Dreieinhalb Monate blieben ihm für die Vorbereitung.

Er trainierte fast täglich am Wannsee, baute mithilfe eines Fitnesscoachs seinen Oberkörper um. Das Rennen, das alles veränderte: Bei den Deutschen Meisterschaften 1957 entscheidet sich, wer Deutschland bei der EM in Polen vertreten darf.

Mittendrin: Manfred Rulffs (Leonard Kunz, vorn). Leonard Kunz: „Der Film kommt im richtigen Moment“

Am Ende saß Kunz ganz vorn und gab den Takt vor.

Dort erlebte er, wie wenig im Boot ohne Vertrauen und Zusammenhalt funktioniert. Kunz über die Botschaft des Streifens: „Der Film ist total am Zahn der Zeit und kommt genau im richtigen Moment.

Kaum ein Mannschaftssport verlangt so viel Synchronität wie das Rudern. In unserem Boot sitzen völlig unterschiedliche Menschen – und vorwärts kommen wir nur, wenn wir gemeinsam ziehen.

Genau darum geht es: Wir sitzen alle in einem Boot.“

Trainer-Genie Karl Adam (Oliver Masucci, M.) formte aus acht völlig unterschiedlichen Männern einen Olympia-Achter für die Ewigkeit. Gemeinsam holten sie 1960 in Rom Gold

Für Bittner holt der Film eine Sternstunde zurück, die sein ganzes Leben geprägt hat.

Gerade einmal 21 Jahre alt war er, als der deutsche Achter in Rom zu Gold ruderte. Doch dieser Triumph bedeutete weit mehr als eine Medaille.

Bittner: „Zur damaligen Zeit war die Olympiamedaille für Deutschland ein Weg, wieder Anschluss an die internationale Gemeinschaft zu finden. Das war zunächst nur über den Sport möglich.“ Und weiter: „Als wir zurückkamen, standen die Menschen an den Straßen.

Sie wollten dabei sein, wie Deutschland wieder etwas in der Welt dargestellt hat.“

Sie ruderten Deutschland zurück ins Rampenlicht: Mit ihrem Olympia-Sieg von Rom 1960 begeisterte der Gold-Achter eine ganze Nation. Klaus Bittner (2. v.r.) ist der letzte noch lebende Held dieses historischen Triumphs

Klaus Bittner: „Die Geschichte wiederholt sich, wenn…“

Heute blickt der letzte Held von Rom nicht nur auf den Jubel von damals.

Er schaut mit Sorge auf die Gegenwart. Seine eindringliche Mahnung: „Wenn die Zeitzeugen weg sind, wird es gefährlich.“ Bittner ist überzeugt, dass die junge Generation aus den Fehlern der Älteren gelernt hat.

Doch er beobachtet Entwicklungen, die ihn nachdenklich machen. Bittner: „Die Tendenzen sind vielleicht doch schon wieder unterschwellig da.“

Ein Gespräch über Vergangenheit und Zukunft: Olympia-Legende Klaus Bittner (l.) und Schauspieler Leonard Kunz beim Generationen-Interview mit BILD-Reporterin Iris Rosendahl

Auch Kunz versteht den Film als Appell, trotz aller Unterschiede zusammenzuhalten.

Bittners Warnung vor dem Vergessen geht noch weiter: „Es scheint so zu sein, dass sich die Geschichte wiederholt, wenn die Generation ausgestorben ist und die Neuen nicht mehr wissen, wie es war. Und dann ist die Versuchung groß, wieder in eine problematische Richtung zu kommen.“

Seine Goldmedaille bewahrt Bittner bis heute an einem geheimen und sicheren Ort auf.

Im Wohnzimmer liegt sie jedenfalls nicht! Bittner: „Diesen Wert kann ja keiner versichern.

Das ist ein ideeller Wert.“ Eines Tages sollen seine beiden Kinder dieses sportliche Erbe übernehmen. Auch Leonard Kunz träumt von Gold, allerdings von Hollywood-Gold.

Auf die Frage, ob er eines Tages einen Oscar gewinnen möchte, antwortet er BILD: „Natürlich wäre ein Oscar ein Traum!“ Damit würde Kunz zwar nicht selbst zum Goldjungen wie die Olympia-Helden von Rom. Dafür dürfte er einen mit nach Hause nehmen …

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