Nach tödlichen TikTok-Challenges: Australien wehrt sich gegen gefährliche Algorithmen 97 Prozent der australischen Jugendlichen benutzen mindestens einmal täglich eine Social-Media-Plattform (Symbolbild) Australien – Die 17-jährige Australierin Leonida starb 2023 durch die „Deo-Challenge“ auf TikTok: Dabei atmete sie tödliches Deo-Gas ein. Diese Challenge verbreitete sich mithilfe des Algorithmus der Plattform.
Jetzt möchte die australische Regierung gegen gefährliche Social-Media-Algorithmen vorgehen – und Nutzern die Entscheidungsfreiheit geben. Ein Algorithmus ist eine Rechenformel.
Er entscheidet darüber, was Nutzern in sozialen Medien angezeigt wird. Die TikTok-For-You-Page oder die Startseite von Instagram werden von Algorithmen gesteuert.
Meistens richtet sich der Algorithmus nach Aufmerksamkeit: Je polarisierender ein Beitrag, desto mehr beschäftigen sich Nutzer mit ihm – also wird er öfter angezeigt. So können Algorithmen zur Verbreitung gefährlicher Trends beitragen.
Ein weiteres Problem, gegen das die australische Regierung vorgehen will: die hohe Suchtgefahr von sozialen Medien. Laut einer Studie von Mission Australia sind 38 Prozent aller australischen Jugendlichen mehr als drei Stunden pro Tag auf Social-Media-Plattformen aktiv.
Algorithmen zeigen jedem Nutzer genau die Inhalte, die ihn möglichst lange auf der Plattform halten – das kann süchtig machen. TikTok gilt als besonders gefährlich für Kinder.
Die Plattform ist darauf ausgelegt, kurze Videos und verkürzte Inhalte anzuzeigen (Symbolbild)
Jetzt will die australische Regierung die Macht der Algorithmen brechen. Premierminister Anthony Albanese stellt dafür ein neues Gesetz vor: „Es geht nicht darum, der Regierung Kontrolle zu geben, sondern den Menschen.“ Dank des neuen Gesetzes können Nutzer die Algorithmus-Empfehlungen ausschalten.
So soll das Suchtpotenzial eingeschränkt und Tragödien wie die von Leonida verhindert werden. Kommunikationsministerin Anika Wells stellt klar: Plattformbetreiber müssen es Nutzern leicht machen, die Algorithmus-Empfehlungen abzuschalten.
Sonst drohen den Betreibern hohe Geldstrafen. Das geht vielen Aktivisten jedoch nicht weit genug.
Die Frauenrechtlerin Chanel Contos fordert: „Momentan ist der Algorithmus noch automatisch aktiviert. Die Plattformen sollten uns erst fragen müssen, bevor sie uns personalisierte Inhalte anzeigen.“
Australien ist Vorreiter beim Jugendschutz im Netz
Australien geht schon länger gegen Social-Media-Gefahren vor.
Australier unter 16 Jahren dürfen sozialen Medien nicht mehr nutzen. Dadurch wurden schon fast 5 Millionen Konten von minderjährigen Nutzer gesperrt oder gelöscht.
Premierminister Albanese begründet das so: „Wir wollen, dass unsere Kinder eine Kindheit haben.“
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