Diese Serie geht an die Grenze des Erträglichen: Netflix warnt Zuschauer vor neuen „Fauda“-Szenen Belastende Dreharbeiten: Lior Raz (54) steht hier in seiner Rolle des Doron Kabilio in der Serie „Fauda“ vor den getöteten jungen Menschen des Nova-Musikfestivals. Er selbst befand sich zur Zeit des Anschlags im Ausland, allerdings entkam seine Schwester im Kibbuz Erez nur knapp dem Tod Tel Aviv (Israel) – Leichen junger Menschen liegen blutverschmiert in einem Container.
Überall Panik, verkohlte Menschen in Autos. Selten hat eine Serie so tief und schmerzvoll ins Herz gestochen.
So sehr gepackt, geschüttelt und gezwungen, etwas anzuschauen, was bis zum 7. Oktober 2023 schlichtweg unfassbar erschien.
Das barbarische Massaker der Hamas-Terroristen an israelischen Zivilisten füllt in der neuen Staffel der Netflix-Serie „Fauda“ zwei Folgen. Und geht an die Grenze dessen, was die menschliche Seele ertragen kann.
Die Folgen 7 und 8 (von insgesamt 11) sind so schonungslos, dass die israelischen Produzenten sich zu einem außergewöhnlichen Schritt entschieden haben – einer Triggerwarnung! Schwer traumatisiert nach den Kämpfen am 7.
Oktober: Lior Raz spielt in der fünften Staffel einen gebrochenen Doron Kabilio, der sich wegen einer posttraumatischen Belastungsstörung in Therapie befindet
Vor Beginn wird ein Text vor schwarzem Hintergrund eingeblendet: „Die Folgen 7 und 8 enthalten belastende Szenen, besonders für Menschen, die selbst Notsituationen erlebt haben.“ Und: „Besondere Vorsicht wird Personen geraten, die Krisensituationen erlebt haben.“ Ein bemerkenswerter Vorgang. Selten war eine Warnung so wichtig und so ernst gemeint.
Die Netflix-Triggerwarnung für die Folgen 7 und 8 macht deutlich: Wer die Szenen zu schmerzvoll und heftig findet, kann direkt zu Episode 9 springen
„Fauda“-Autoren mussten ganze Staffel neu schreiben
Die Macher haben die Serie bewusst so konzipiert, dass die Handlung auch ohne diese traumatischen Folgen verständlich bleibt. Staffel fünf spielt zwei Jahre nach Israels 9/11.
Die Helden der Serie – allen voran Doron (Lior Raz, 54) und sein Ex-Kommandeur Eli (Yaakov Zada-Daniel, 46) – sind traumatisiert vom Hamas-Massaker. Und doch raffen sie sich noch einmal auf.
Zu einem inoffiziellen Einsatz, der eng verknüpft ist mit dem Grauen von 2023. Nach sechs Folgen Anlauf springt die Serie zurück an den schlimmsten Tag, den Israel in seiner Geschichte jemals erlebt hat.
Als rund 3000 Hamas-Terroristen Dörfer nahe der Grenze überfielen – mordeten, folterten und vergewaltigten – arbeiteten die „Fauda“-Autoren gerade an Staffel fünf. Plötzlich war all der Stoff hinfällig.
Bei einem Netflix-Event am 9. September in New York (v.l.): Yaakov Zada-Daniel (46, Eli), Lior Raz (54, Doron), Drehbuchautor Avi Issacharoff (53), Netta Garti (46, spielt Dorons Ehefrau Gali), Gal Malka (32, spielt Geheimdienst-Agentin Lea)
Crewmitglieder brachen beim Dreh zusammen
Serienschöpfer Avi Issacharoff (53) machte klar, dass man in dieser Serie die größte Terrorattacke des Landes niemals ignorieren könne: „Die Realität war schlimmer und größer als das dunkelste Drehbuch, das wir uns je hätten ausdenken können.“ Für viele Schauspieler die härtesten Dreharbeiten ihres Lebens.
Hauptdarsteller Lior Raz berichtete später, dass es am Set immer wieder zu emotionalen Zusammenbrüchen kam. Viele Mitglieder der Crew hatten am 7.
Oktober selbst Menschen verloren. Schauspieler Idan Amedi (38, spielt Sagi Tzur) wurde als Reservist bei den Kämpfen in Gaza so schwer verletzt, dass er in Staffel 5 (bis auf einen Gastauftritt am Ende) nicht mehr mitspielen konnte.
Es brauchte anderthalb Jahre, bis im April 2025 die Dreharbeiten zu Staffel 5 begannen
In Folge 7 beginnt das Hamas-Massaker
Es ist nachts um drei Uhr am 7. Oktober 2023, im Kibbuz Beeri an der Grenze zu Gaza.
Eli ist Kommandeur einer israelischen Anti-Terror-Einheit und wird zu einem Einsatz gerufen. Er verabschiedet sich von seiner Frau und seinen beiden Kindern.
Noch ist alles ruhig. Er weiß nicht, was in wenigen Stunden passieren wird.
Die Zuschauer wissen es schon. Die Macher der Serie drehten sehr dokumentarisch, Panik statt Pathos, aber ohne Original-Videos.
Mit jeder Minute wird es schlimmer, wächst die Verzweiflung. Grausamer Höhepunkt in Folge 8: Elis Familie im Schutzraum.
Die Terroristen im Haus. Einer bedient sich gierig an einer Torte im Kühlschrank, die anderen legen Feuer, wollen morden.
Ein reales Bild vom 7. Oktober 2023.
Schwer bewaffnete Hamas-Terroristen rasen auf einem Pick-up durch Khan Yunis, eine große Stadt im Süden des Gazastreifens
Die Serie wird hier immer atemloser, wechselt zwischen der Familie in Todesangst und dem Gelände rund um das Nova-Musikfestival in der Negev-Wüste. Junge Menschen rennen hier panisch über ein Feld.
In einem Schutzbunker am Straßenrand stapeln sich Leichen. Dann zeigt die Kamera ein ausgebranntes Auto.
Darin die verkohlten Umrisse zweier Menschen. Das Bild erinnert an die Aufnahme eines Paares, das an diesem Tag wirklich in seinem Wagen getötet wurde.
Grausame, unfassbare Realität von 2023 verschwimmt mit der Fiktion der Serie. BILD-Reporterin Sarah Maria Sander im Gespräch mit Lior Raz in Berlin
Autor Avi Issacharoff sagte später in einem Interview: „Als wir diese beiden speziellen Folgen über diesen speziellen Tag geschrieben haben, haben uns die Hände gezittert.“ Hauptdarsteller Lior Raz: „Das Schauspielern war schwer, weil wir alle gelitten haben oder Teil dieser Ereignisse und dieses Krieges waren.
Wir waren während dieser Zeit des Drehs wie eine Selbsthilfegruppe.“
Lior Raz empfindet die Drastik der Darstellung über den 7. Oktober als richtig und wichtig, sagt zu BILD: „Inhalte können wirklich verändern, wie Menschen denken und fühlen.
Ich hoffe, dass vielleicht auch nur eine einzige Person ihre Meinung ändern könnte.“
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