Hertha-Torwart kämpft um jeden Einsatz: Gersbeck: „Ich habe eine hohe Schmerzgrenze“ Marius Gersbeck (31) ist seit dieser Saison Stamm-Torwart bei Spitzenreiter Hertha BSC Herthas Top-Start mit fünf Siegen in fünf Spielen ist auch das Verdienst von Marius Gersbeck (31). Der Torwart ist seit Saisonstart die neue Nummer 1, gibt der jungen Abwehr Sicherheit und glänzt mit überragenden Leistungen.
Jetzt spricht er erstmals über sich und den Hertha-Aufschwung. BILD: Herr Gersbeck, wie fühlen Sie sich als Spitzenreiter der 2. Liga?
Marius Gersbeck: Das gehört zu den Top-Momenten meiner Karriere. Wir sind so gut zusammengewachsen, dass wir das alle genießen.
Du siehst bei jedem das Strahlen im Gesicht, auch bei den Spielern, die nicht so viel spielen. Das macht es so schön und besonders.
Und trotzdem wissen wir, es ist Anfang der Saison, und es kommen noch Spiele, die uns nicht gefallen werden. Was macht Hertha so stark im Moment?
Die Gemeinschaft. Wir haben es geschafft, die Mentalität hochzuschrauben.
Unsere Mentalität gepaart mit der Qualität, die wir haben, das ist überragend. Das muss man jeden Tag fördern.
Nach unseren Spielen gehen wir zum Beispiel zusammen als Mannschaft essen, das ist etwas Besonderes. Hertha schlug viel Skepsis zu Saisonbeginn entgegen.
Das Schöne ist, wir haben das nicht an uns herangelassen. Die Kritik haben wir gar nicht so mitbekommen.
Gersbeck hält in Osnabrück einen Elfmeter von Robin Meissner (Nummer 11) - Hertha siegt 3:1
Sie sind nicht nur Hertha-Spieler, sondern auch Hertha-Fan. Geht mit dieser Phase ein Traum für Sie in Erfüllung?
Ja, ich habe mir meinen Traum erfüllt und bin deswegen sehr demütig. Es gab in meiner Karriere immer mal wieder Rückschläge, auch durch Verletzungen.
Von daher freue ich mich jetzt wirklich, so etwas Schönes zu erleben. Ihre Karriere verlief eher langsam, mit Stationen in Chemnitz und Osnabrück in unteren Ligen.
Diese Zeiten haben mir geholfen, nie abzuheben. Ich freue mich, dass ich Fußball spiele, vor allem gerade jetzt.
Das genieße ich jeden Tag. Deswegen finde ich, ist es meine Pflicht, mir selbst und allen anderen gegenüber, das bis zum Ende durchzuziehen und zu sagen, ich nutze diese Chance.
Ich weiß, dass es irgendwann vorbei sein wird. Und dann beginnt ein normales Leben.
Sie haben bisher ein Bundesligaspiel gemacht, 2013 mit Hertha in Dortmund. Kommt da noch eins dazu?
Oder zwei oder drei? Ich bin froh, dass ich überhaupt spielen kann.
Und das bei meinem Verein Hertha BSC, das steht für mich über allem. Es ist für mich zweitrangig, ob in der ersten, zweiten, oder dritten Liga.
Hat es Sie verletzt, dass Hertha nach dem Verkauf von Stammtorwart Tjark Ernst eine neue Nummer 1 holen wollte? Ich war entspannt, weil ich seit Jahren medial kaum etwas verfolge.
Und das hilft in solchen Momenten. Ich habe einfach meine Chance gesehen.
Gersbeck erlebt eine der besten Zeit in seiner bisherigen Karriere. Er ist seit seiner Kindheit von Hertha BSC
Was sind Ihre Stärken als Torhüter?
Mir ist Mut als Charaktereigenschaft mitgegeben worden. Und ich glaube, dass ich ein Spiel gut lesen kann.
Dass ich gut mitspielen kann. Ich mag es, lautstark mitzuspielen.
Ich mache mir im Tor keine großen Gedanken, selbst Fehler bringen mich kaum aus der Ruhe. Ich hake das schnell ab, lasse mich davon nicht negativ beeinflussen.
Zuletzt glänzten Sie mehrfach als Elfmeterkiller. In der Jugend dachte ich, dass ich gut bei Elfmetern bin.
In Karlsruhe dagegen habe ich kein Elfmeter-Schießen gewonnen. Dreimal war die Chance da, aber von 15 Elfmetern habe ich nur einen gehalten.
Es war sehr deprimierend (lacht). Jetzt freue ich mich, dass ich ein paar gehalten habe.
Wie gehen sie mit so einer Kirsche um, die Sie in Osnabrück gefangen haben, als der Ball über Sie ins lange Eck segelte? Ich rege mich 10 Sekunden über mich selbst auf, beleidige mich einmal und dann ist es vergessen.
Von der Sportpsychologie habe ich gelernt, schnell den Fokus wieder herzustellen. Welche Trainer haben Sie geprägt, von wem haben Sie sehr profitiert?
Sehr viele. Es waren oft Puzzleteile, die zusammenführt wurden und mir halfen.
Manchmal habe ich auch nur eine Sache für mich herausgefiltert. Bei Hertha hat unser Torwart-Trainer Andi Menger auch noch einige Sachen verbessern können.
Etwa bei Torschüssen. Wie stehe ich zum Ball, wohin geht der erste Schritt?
Wie eng sind die Beine auseinander? Sehr spezielle Sachen und Feinheiten.
Wenn ich die verändere, habe ich eine höhere Chance, Bälle zu halten. Dank Andi stehen meine Beine jetzt ein bisschen enger zusammen (lacht).
„Unsere Mentalität in der Mannschaft ist überragend.“ Gersbeck kümmert sich viel um junge Spieler bei Hertha
Torhüter sollen ja eine Macke haben. Welche ist Ihre?
Ich bin sehr positiv, kommunikativ, offen, lustig. Ich habe gerne Spaß und mag es, Leute mitzureißen.
Auch, was meine vielen Verletzungen angeht, habe ich eine hohe Schmerzgrenze. Dann frage ich: Doc, was haben wir an Tabletten dabei (lacht)?
Was können wir tun, damit ich spielen kann? Ich habe damit kein Problem.
Mir ist in dem Moment wichtig, möglichst schmerzfrei zu trainieren und zu spielen und meinen Körper bestmöglich zu unterstützen. Ich nehme einiges in Kauf und manchmal geht das auch an die Substanz, obwohl am Ende keiner sagt: Danke, dass du das gemacht hast.
Manchmal denke ich, es ist ein bisschen plemm-plemm. Und dann denke ich wieder, dadurch konnte ich noch ein paar schöne Momente mitmachen und miterleben.
Das war es wert. Nach dem Sieg gegen Magdeburg haben Sie Ihre drei Söhne auf den Platz geholt.
… das sah lustig aus. Ich habe das Bild auch gesehen.
Ich sah aus wie ein Kindergärtner. Wir wollen bei Hertha unsere Kinder integrieren, weil sie dazu gehören.
Ich hoffe, dass meine Kinder diese Momente genießen und wertschätzen. Gibt es eine Idee, was nach der Karriere passiert?
Ich koche sehr gerne, vielleicht gehe ich in die Gastronomie. Damit habe ich mich schon intensiver beschäftigt.
Ich mag alles sehr gerne, besonders italienisch. Aber ich kann auch andere Sachen sehr gut.
Letztens habe ich ein 3-Gänge-Menü gemacht. Schöner Tatar, Rindergulasch und danach Kaiserschmarrn.
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