Die CDU in Ostdeutschland steckt nach der enttäuschenden Wahl in Sachsen-Anhalt in einer tiefen Krise. Ministerpräsident Sven Schulze kündigte seinen Rückzug als CDU-Landeschef an, übernahm aber anschließend überraschend den Posten des Fraktionsvorsitzenden im Landtag.
Seine Wahl erfolgte nur mit knapper Mehrheit, was die Zerwürfnisse innerhalb der Fraktion verdeutlicht. Die Kombination aus Regierungsspitze und Fraktionsführung wird von Kritikern als problematisch angesehen, da dadurch die gewohnte Gewaltenteilung in Frage gestellt wird.
Parallel verursacht die Ankündigung des CDU-Abgeordneten Tobias Krull, er wolle sich bei einer möglichen Ministerpräsidentenwahl des AfD-Kandidaten Ulrich Siegmund enthalten, Unsicherheit, bevor er diese Ankündigung zurückzog. Zudem mehren sich kritische Stimmen gegen Bundeskanzler und CDU-Parteichef Friedrich Merz.
So forderte etwa der Vize-Landeschef aus Mecklenburg-Vorpommern, Tino Schomann, einen Rücktritt Merzens und bemängelte dessen mangelnde Glaubwürdigkeit und Empathie. In Sachsen-Anhalt formiert sich ein Machtkampf um die Zukunft der CDU: Bundestagsvize Sepp Müller kündigte seine Kandidatur für den Landesvorsitz an.
Merz kritisierte kurz zuvor öffentlich Müllers Wahlaufruf, der vor einer Zusammenarbeit mit der Linken warnte. Die innerparteilichen Spannungen erschweren die Situation der Union im Osten vor einer möglicherweise schwierigen politischen Phase.
