Kommentar von BILD-Chefin Marion Horn: Merz und die Wahl-Katastrophe der CDU Bundeskanzler und CDU-Parteichef Friedrich Merz (70) Der eigentliche Wahlhammer kam gestern am späten Abend: Die CDU fliegt zum ersten Mal seit ihrer Gründung aus einem Landtag. Es mag in Wählerstimmen nur ein kleiner Unterschied sein zwischen 5,0 und 4,9 Prozent – politisch sind es Welten!

Und wird in Berlin gleichzeitig von der Linken abgehängt. Die Frage ist inzwischen größer als Friedrich Merz: Wie lange will die Union dabei zusehen, wie die politischen Ränder rechts wie links immer stärker werden und sie selbst immer schwächer?

Genau darin liegt für mich das Beunruhigende an dieser historischen Wahl-Katastrophe für die CDU: Ein Chef, der die eigene Partei immer weiter nach unten führt, wird am Ende zum unfreiwilligen Steigbügelhalter der Parteien, die er eigentlich zurückdrängen will. Merz erklärte direkt nach Schließung der Wahllokale, er werde Kanzler und CDU-Vorsitzender bleiben.

Möglicherweise ahnte er da schon, dass seine Partei aus dem Landtag in Schwerin fliegt und wollte Rücktrittsforderungen beantworten, bevor sie gestellt werden konnten. Damit war er für den Abend auch erfolgreich.

Natürlich ist es allein Sache der CDU, wen sie zu ihrem Vorsitzenden macht. Aber ich finde es absurd, wenn führende Unionspolitiker auch in dieser Situation behaupten, ein Wechsel an der Spitze bringe nichts, weil die Probleme nicht zuletzt mit der SPD danach schließlich dieselben seien.

Natürlich bleiben die Probleme dieselben. Die Frage ist trotzdem, wer sie lösen kann.

Wir haben gerade im Fußball erlebt, was ein Wechsel an der Spitze verändern kann. Jürgen Klopp hat dieselben Probleme wie sein Vorgänger.

Aber er geht sie anders an, spricht anders über seine Aufgabe und formuliert eine Mission, die Menschen mitreißt. Und auch die Bundeswehr war nach dem Rücktritt Christine Lambrechts (die mit den Helmen für die Ukraine und Pumps beim Truppenbesuch in Afrika) dieselbe Bundeswehr.

Trotzdem macht es einen Unterschied, dass Boris Pistorius Verteidigungsminister wurde. Anhaltende Erfolglosigkeit ist selbstverständlich ein Grund, über die Frau oder den Mann an der Spitze zu reden.

Das gilt in der Wirtschaft. Das gilt im Sport.

Und es gilt in der Politik. Haben Sie eine Meinung zu diesem Artikel?

Hier können Sie uns schreiben.Haben Sie Fehler entdeckt? Dann weisen Sie uns gern darauf hin.