Acht Unterschriften für den Kanzler: Treue-Brief für Merz – und dann steht nicht mal sein Name drin? Die versteckten Botschaften der CDU-Länderchefs Lauter Kanzlerstützen?
Friedrich Merz am Tag einer Kanzlerwahl mit den CDU-Regierungschefs Michael Kretschmer (Sachsen, CDU, 4. v. l.), Boris Rhein (Hessen, CDU, 3. v.
r.), Hendrik Wüst (Nordrhein-Westfalen, CDU, r.) sowie Berlins Kai Wegner (CDU, l.)
Berlin – Ja, was denn nun? Acht CDU-Ministerpräsidenten liefern einen Solidaritätsbrief für den Bundeskanzler ab – nur fehlt dessen Name.
Kein „Friedrich Merz“, nirgends. Also: Treueschwur für Merz (70, CDU) – oder eher der Fußball-Bosse-Satz beim Abstiegskandidaten: „Er wird auch nächsten Sonntag noch unser Trainer sein …“?
BILD hat in Staatskanzleien und CDU-Chats nachgehört und zwischen den Zeilen gelesen. Aus drei CDU-Regierungszentralen heißt es übereinstimmend: Merz’ Name sei bewusst weggelassen worden.
Mindestens ein Ministerpräsident hätte eine ausdrückliche Treueerklärung für Merz demnach nicht unterschrieben. Aus einer vierten Staatskanzlei heißt es, der Regierungschef habe „gar nicht gemerkt, dass der Name fehlt“.
Aus einer ostdeutschen Staatskanzlei erfuhr BILD, aus dem Kanzlerumfeld habe es Beschwerden über den fehlenden Namen gegeben. Nicht verifizierbar.
Eine beteiligte Regierungszentrale ließ wissen: Die Interpretation, Merz’ Name fehle absichtlich, werde man nicht dementieren. Und Markus Söder?
Es sei schlicht ein Brief der CDU‑Ministerpräsidenten. Ein CSU-Chef könne dem CDU-Chef keine Treue schwören.
Auch in CDU-Chats wird über den Brief gespottet. In der Gruppe „C+D+U=Die Mitte“, in der auch Parteipromis schreiben, hieß es: „Kein Wort über Merz.
Mir scheint das eher ein vorbeugendes Statement zu sein …“ Ein anderer schrieb: „Der Text ist schon geschickt formuliert. Könnte von Senatoren 44 v.
Chr. sein.“ Cäsar, Brutus, Treueschwur vor dem Dolchstoß.
Ein alter Unions-Fahrensmann erinnert gegenüber BILD an Kanzler Ludwig Erhard. Unionsfraktionschef Rainer Barzel erklärte 1966: „Ludwig Erhard ist und bleibt unser Bundeskanzler.“ 44 Tage später war Erhard weg.
Der Brief mit den Unterschriften aller acht CDU-Ministerpräsidenten
„Auch in Zukunft braucht unser Land eine stabile und handlungsfähige Bundesregierung mit eigener Mehrheit im Bundestag.“ Kann als Warnung vor einer Minderheitsregierung gelesen werden – an Merz oder an die SPD. „Die CDU Deutschlands ist zur Zusammenarbeit mit allen demokratischen Kräften bereit.“ Bewusst weit gefasst.
Keine Rede von Koalitionen, nur von Zusammenarbeit. AfD und Linke werden nicht ausdrücklich genannt.
Laut einer Staatskanzlei stand in einer ersten Fassung noch eine Abgrenzung zur AfD. Auch andere Medien berichten das.
Nicht verifiziert. „Der Weg zu neuem Vertrauen […] führt über das Zuhören und politisches Handeln, nicht über Personaldiskussionen.“ Heißt zumindest: Vertrauen ist verloren gegangen.
Und: keine Personaldebatte – vorerst. „Vertrauen wird wieder entstehen, wenn Politik die Probleme […] der Menschen in ihrem Alltag löst.“ Kann heißen: Merz’ Reformen brauchen Zeit.
Oder: Merz muss endlich liefern. Oder irgendwann eben: ein anderer.
„Als Ministerpräsidenten wollen und werden wir gemeinsam mit dem Bundeskanzler unseren Beitrag dazu leisten.“ Nur: welchem? Ein Kabinettsmitglied argumentiert, auch die Ministerpräsidenten würden im Text nicht namentlich genannt.
Stimmt. Allerdings stehen ihre acht Namen darunter.
Merz’ Name steht nirgends. Fest steht: Sollte Merz aus den eigenen Reihen zum Rücktritt gedrängt werden, dürfte der Druck aus dem Kreis der Regierungschefs kommen – als Gruppe oder im Verbund mit Söder.
Und nur, wenn Söder für sich aktiv werde, werde auch NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst tätig werden. Den Königsmord aber werde Wüst nicht beginnen.
Er weiß: Man liebt den Verrat, aber nicht den Verräter. Haben Sie eine Meinung zu diesem Artikel?
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