In Sachsen-Anhalt steht die AfD vor der beispiellosen Möglichkeit, erstmals eine Landesregierung mit absoluter Mehrheit zu führen. Dennoch äußerte der AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund Bedenken hinsichtlich einer nur knappen Mehrheit.

In einem TV-Duell mit dem CDU-Ministerpräsidenten Sven Schulze bezeichnete er eine einzige Mehrheitsstimme als „wackelig“ und betonte, er brauche eine „stabile Mehrheit“. Diese Aussage sorgt in der AfD-Bundesspitze für Irritation, da man dort meint, eine eigene Mehrheit müsse ausreichend sein.

Die Bundesführung bezeichnete Siegmunds Zurückhaltung als ungewöhnlich und mahnt an, die historische Chance zu nutzen. Siegmund hat jedoch klargemacht, dass er ohne absolute Mehrheit keine Koalition mit SPD oder CDU eingehen werde.

Experten sehen in seiner Haltung auch die Angst vor instabilen Mehrheiten, ähnlich dem „Heide-Mörder“-Fall von 2005 in Schleswig-Holstein, wo eine knappe Stimmenanzahl mehrmals eine Ministerpräsidentenwahl scheitern ließ. Der Politikwissenschaftler Oliver Lembcke weist zudem auf die strategische Dimension hin: Siegmund könnte verhindern wollen, durch anonyme Überläufer gewählt zu werden, die ihm keine klare Regierungsmehrheit garantieren.

In diesem Fall wüsste er nicht sicher, auf wessen Rückhalt seine Wahl beruht.